Ende von “Sykes-Picot” bringt auch Kurdistan-Frage neu ans Tageslicht

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Sykes-Picot-Sasonow, ursprünglich; Wiki Commons

Der seit zehn Jahren voranschreitende Zerfall der Nachkriegsordnung des Ersten Weltkriegs im Nahen Osten hat auch die sogenannte Kurdistan-Frage wieder an die Oberfläche geschwemmt. Der Anstoß zu dieser Entwicklung wurde ironischerweise (auch) von arabischen Interessen gegeben, die damit ihren Bündnispartner Türkei schädigen. Die Russen scheinen heute wieder auf jenem Sessel zu hocken, in dem sie vor 1917 saßen.

Der Terminus Sykes-Picot im Titel wird nicht als Bezeichnung für die historische Abmachung zwischen François Georges-Picot und Mark Sykes (sowie Sergej Sasonow) 1916 verstanden, siehe hier (der vor der russischen Revolution abgeschlossene Vertrag könnte, im Gegenteil, in mancher Hinsicht in seiner ursprünglichen Form wieder auferstehen).

Sykes-Picot ist hier ein generischer Ausdruck für die faktische Nachkriegsordnung der Region ab 1925. Der Begriff beinhaltet die “willkürliche” Grenzziehung zwischen den arabischen Staaten vor Ort, aber auch den Umstand, dass sich in dieser Ordnung kein Platz für ein Kurdistan gefunden hat, nicht einmal für eine Keimzelle davon.

In einer Welt, in der das Selbstbestimmungsrecht von vier Millionen arabischen Palästinensern ein großes Thema ist, war und ist die Nichtexistenz eines kurdischen Staats geradezu absurd.

Die Kurden sind weder Araber noch Türken und zählen an die 30 Millionen Menschen. Ihr Hauptproblem ist, dass die Länder, in denen sich ihre Siedlungsgebiete befinden, leidenschaftlich gegen die Schaffung eines eigenen Staats sind, vor allem die Türkei (das heutige Syrien, das dafür gesorgt hat, dass das Thema wieder auf’s Tapet kam, hat dabei noch das geringste Problem).

Es sieht so aus, als wäre Kurdistan heute nicht mehr eine Ob-Frage, sondern nur mehr die Fragen des

  • Wo und Wieviel sowie
  • unter wessen Oberhoheit.

Foto: Rafy, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, siehe hier.

Unabhängiger Journalist

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