Brian Fagan und das Doppelte Klima-Lottchen

Ein emeritierter Anthropologe hat soeben die neue Auflage eines 2000 erstmals erschienenen Büchleins über die “Kleine Eiszeit” herausgebracht und im Nachwort inzwischen erschienene klimahistorische Studien skizziert. cover_BDiese lassen den offiziösen CO2-Warmismus und die heutigen climate justice warriors ein bisschen schräg ausschauen, denn: Das historische Klima war schon in den vergangenen 1.000 Jahren chaotisch und hat quasi im Vorbeigehen Gesellschaften zerstört, Menschen getötet und “Klimaflüchtlinge” erzeugt. Bis 1850. Danach sei primär anthropogenes CO2 schuld, behauptet der Autor. Das sei “wissenschaftlicher Konsens”.

Autor Brian Fagan beschreibt die historische Klimafoschung bis 2019 dahingehend, dass die bis um die Jahrtausendwende mittelalterliche Wissenschaft inzwischen in eine szientifische Revolution geraten sei,

which has turned climatic proxies into often startlingly precise chronicles of shifting meteorological conditions, yielding detailed records of monsoon failures, drought cycles, and volcanic eruptions. We have entered a golden age of paleoclimatology.”

Fagan muss aus seiner ersten Auflage von vor 19 Jahren nichts zurück nehmen, weil damals die Umrisse der “jüngsten” klimageschichtlichen Epochen bereits bekannt waren – “Mittelalterliche Warmperiode vulgo Mittelalterliche Klima-Anomalie”, “Kleine Eiszeit” (LIA) und “Moderne Warmperiode”.

Er muss nur bis heute angefallene zusätzliche Information ergänzen.

Dass es zwischenzeitig Versuche gegeben hat, z.B. die mittelalterliche Warmperiode ganz zu “entsorgen” (siehe hier), wird mit noblem Schweigen übergangen.

Konkret synthetisiert sich aus den von Fagan “nachgetragenen” neueren Analysen folgendes Bild des “LIA”:

Es hat sich um eine sich über 500 Jahre hinziehende, immer wieder unterbrochene Periode von ungünstigen klimatischen Bedingungen gehandelt, zu denen die bekannten solaren Minima gehören – die sich aber nicht auf diese beschränken.

Am Anfang seien die Ausbrüche von vier feuerspeienden Bergen gestanden, die sich auf der ganzen Welt bemerkbar gemacht hätten.

Der gravierendste sei die Eruption eines indonesischen Vulkans im Jahr 1257 gewesen, die sich auf der ganzen Welt bemerkbar gemacht habe (Samalas hat zwei bis acht Mal mehr Sulfate in die Atmosphäre geschleudert als der Tambora 1815).

Ebenfalls verheerend, aber lokal begrenzter scheint der Ausbruch des peruanischen Huaynaputina 1600 gewesen zu sein, was u.a. frühe europäische Siedler in Nordamerika getroffen hat.

Dieses Ereignis fällt in die Zeit der sogenannten Grindelwald-Fluktuation, die zu den kältesten Zeitabschnitten des LIA gehört. Die anderen Extremwerte fallen im Spörer- bzw. im Maunder-Minimum an.

Natürlich gibt es nur in jüngerer Zeit Thermometer-Messungen – aber durch neue Methoden ist eine Fülle von “Proxy-Daten” angefallen, z.B. über Kernbohrungen und Isotopenuntersuchungen von Stalagmiten. Gern analysiert man heute auch noch Baumringe.

Klimawandel ≠ Klimawandel

Oft, sagt Fagan, seien die schlimmsten Auswirkungen “nur” Sekundäreffekte größerer Veränderungen in den Ozeanen und der Atmnosphäre gewesen.

Dies habe hydraulische Gesellschaften wie die der Khmer in Angkor Wat zu Fall gebracht oder auch die Stadtkulturen der Maya-Klassik.

Die Maya haben zwar auch über Bewässerungs-Netzwerke wie die Südost-Asiaten verfügt – aber in Mittelamerika haben jahrzehntelange Dürren zu politischer Fragmentierung und einem Kollaps der Strukturen geführt (die extrem ausgedehnten Bewässerungsanlagen der Khmer sollen dagegen durch zu viel bzw. zu volatile Niederschläge zerstört worden sein).

Der alte Klimawandel gehört nun freilich der Vergangenheit an -

  • erstens, weil die Temperaturen heute hoch und im Steigen seien und
  • zweitens, weil der entscheidende Treiber des aktuellen Klimawandels atmosphärisches Kohlendioxid sei (wie auch der Papst und die UNO sagen).

Wir hätten also eine Veränderung, die auf den ersten Blick wie das Spiegelbild des alten Klimawandels aussieht, die aber eigentlich ein völlig anderes Phänomen ist.

Zweifel daran, beteuert derAutor, seien jedenfalls

nonsense, driven by outmoded ideologies, at a time when our only defense against continued warming is long-term planning that looks ahead to the world of our great-grandchildren and beyond.”

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Auftritt Philipp Bloms, eines in Wien lebenden Publizisten.

Auch der hat ein Buch über die Kleine Eiszeit geschrieben, das vor zwei Jahren in Deutsch und vor einem halben Jahr in Englisch erschienen ist.

Herr Blom hat eine andere zeitliche Abgrenzung der Kleinen Eiszeit als Fagan, aber das ist eigentlich ein nebensächliches Detail – so wie es eine irrelevante Einzelheit zu sein scheint,  ob ein Vulkan in der Mitte des vierten Säkulums, also vor dem Untergang Roms ausbricht oder doch erst 200 Jahre später, post mortem.

Wichtig ist was ganz anderes, nämlich die Einsicht: Ändert sich das Klima, ändert sich auch alles andere.

So wie demnächst wieder, wenn die Welt den Hitzekollaps erleidet, der mittlerweile praktisch ja fast ganz sicher ist.

Blom nutzt die historische klimatische Kalamität um zu schildern, dass und wie sich Europa im 17. Jahrhundert vom eifernden Mittelalter ab – und der Aufklärung und dem Kapitalismus zuwendet

- was man so sehen kann, wobei sich freilich die Frage stellt, was das mit Hunger und Missernten zu tun hat.

Leider gibt’s außer Andeutungen nicht mehr viel Butter bei die Fische, sodass ein deutscher Rezensent vor zwei Jahren achselzuckend-spöttisch paraphrasierte:

Aufgepasst, Leser, damals wurde es kalt, heute wird es warm – was lernen wir daraus?”

Unabhängiger Journalist

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