Gold & Silber: Eine kalte Dusche für die “Manipulationstheorie”?

Pan-American-Silver-Estimated-Breakeve-2004-1H-2019
srsroccoreport.com

Ein US-Blogger, der sich seit Jahr und Tag (seriös) mit den Zahlen von Energie- und Edelmetallfirmen beschäftigt,  macht geltend, dass die Preise für Gold & Silber seit langem um ihre Herstellungskosten schwanken und sich damit verhalten wie die Preise aller “commodities”. Manipulation gebe es vielleicht im täglichen Trading, nicht aber im Makrobereich. Doch vielleicht besteht das “Management” der Rohstoffe und Metalle gerade darin, die Märkte in diesem Modus der Preisfindung zu halten.

Der “über dem Falz” von Steve St. Angelo übernommene Chart zeigt das langjährige Verhältnis zwischen dem Silberpreis und dem Gewinn (Verlust) pro Unze (anhand von Zahlen von Pan American Silver, der weltweiten Nummer 2 unter den primären Silberproduzenten).

Wie daraus ersichtlich, sind die Preise für Unternehmen wie Pan American i.d.R.  hoch genug um einen moderaten Gewinn zu erwirtschaften. In manchen Jahren fördern sie zwar mit Verlusten, aber Boomjahre wie z.B. 2011 scheinen schlechte Zeiten wie 2013, 2014 und 2015 zu kompensieren.

In der zweiten Jahreshälfte 2019 scheint nun wieder “ein bisschen warmer Regen angesagt” zu sein.

Das erste Halbjahr war bei einem realisierten Preis von 15.20 Dollar noch so angespannt wie schon seit langem nicht.

Die Situation war derart eng, dass die Gewinne kaum mehr über dem break even gelegen sind. In schlechten Zeiten wie diesen drohen üblicherweise “Redimensionierung” oder gar Einstellung der Förderung.

Im Juni 2019 hat der Silberpreis aber deutlich zu steigen begonnen, auf heute über 18 Dollar.

Bleibt er bis Jahresende konstant (oder steigt sogar), werden Unternehmen vom Typus Pan American Silver Atem schöpfen und neue Reserven aufbauen können.

Das gilt im Prinzip auch für Goldproduzenten, die nach den Berechnungen von St. Angelo Herstellungskosten von rund 1.200 US-Dollar pro Unze haben.

Sein Räsonnement ist bis hierher überzeugend, es bleibt jedoch ein “großes Caveat”, nämlich:

Silber ist nur zur Hälfte und Gold fast gar nicht dem Nachfragemuster “normaler commodities” ausgesetzt, das sich auf “verschwindende Verbrauchsgüter” bezieht. Gold hat eine stock to flow ratio von ca. 98:2  und Silber eine wesentlich höhere als z.B. Öl oder Kupfer (an den genauen Wert kann sich dieser Blogger nicht erinnern).

Warum also imitieren (primäre) Gold- und Silberproduzenten die Muster von Rohstofferzeugern, die unter dem Druck der schwankenden Nachfrage und ihrer Wettbewerber keine höheren Preise verlangen können?

Warum drückt oberirdisches Gold nicht auf Rohstoffpreis?

Die Goldproduktion hat 2018 3.300 Tonnen betragen, also vielleicht magere 4.000 Tonnen inklusive Recycling (gegenüber z.B. 18 Millionen Tonnen Kupfer).

4.000 Tonnen aber macht gerade einmal 2,5 Prozent des heute oberirdisch vorhandenen Golds aus, das zu einem hohen Prozentsatz verfügbar wäre, theoretisch.

Wieso orientiert sich die Preisbildung für Aurum am “Flow”, also dem während eines Jahres neu erzeugten Edelmetall und nicht am gesamten Angebot, das doch wenigstens 40 Mal größer ist?

Vielleicht, weil ein Großteil der privaten Halter nicht verkauft und Geschmeide und Barren in Schmuckschatullen und Tresoren lässt - aber ein Teil öffentlicher Anbieter, die glauben unentdeckt bleiben zu können, Physisches zu den aktuellen Produktionskosten abgibt.

Revaluation – Bewertung nach anderen Grundsätzen

St. Angelo jedenfalls zeigt, dass die enormen Volumina, die an den Futures-Märkten auf Gold und Siber gesetzt werden, nichts Außergewöhnliches sind – und dass auch  die anderen commodities riesige nominale Volumina aufweisen.

Gold & Silber würden durch die Papiermärkte also nicht speziell nach unten manipuliert.

So, we need to put the market trading and manipulation of silver into perspective.  While it is likely true that silver and gold are being manipulated… so is just about EVERYTHING else.”

Heute noch.

In absehbarer Zeit werde diese Phase aber zu Ende gehen und in eine epochale Höherbewertung (“revaluation”) auch der beiden Edelmetalle münden – sobald nämlich die Zentralbanken die Kontrolle über die Finanzmärkte verlören.

Dann würden die Geldmetalle wieder als Geld bewertet (oder als bloßer, aber weltweit akzeptierter “store of value”, wie dieser Blogger meint).

Unabhängiger Journalist

Comments are closed, but trackbacks and pingbacks are open.