Verräter oder Patriot: Dribbel-Spionage u. Trump-Präsidentschaft

red_thread_coverEine konservative Autorin hat einen Text vorgelegt, in dem sie anhand von  Sekundärquellen ein ideologisch konsistentes Bild zentraler “Anti-Trump-Verschwörer” zeichnet. Comikaze_Expo_2011_-_Spy_vs_Spy_(6325381362)Es ist eine Art Gegen-Narrativ zur bisher gepushten Meta-Erzählung von Donald, dem Russen-Handlanger. “Red Thread” geht weit über die konventionelle Erlärung hinaus, wonach das Vorhaben, einen korrekt gewählten Politiker zu Fall zu bringen ein nicht-ideologisches, bloß parteipolitisches Manöver war.

Für Diana West steht das Vorgehen gegen Trump in der Tradition der sowjetischen Infiltrierung des US-Staatsapparats im bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg,

was – wie inzwischen frei gegebene Dokumente (“Venona-Dechiffrierungen”) belegen – alles andere als ein Hirngespinst war.

Das seit Ende 2016 dominierende Narrativ von Trump, dem Zuarbeiter russischer Schlapphüte ist (spätestens) seit Beendigung des Mueller-Reports obsolet.

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Nicht, dass dieser Bericht den Präsidenten direkt entlasten würde -

aber wenn ein faktisch weisungsfreier Sonderermittler mit einem Team hoch motivierter Ankläger (“17 angry democrats”) in zwei Jahren keine nennenswerten Beweise auf den Tisch legen kann, sollte das aussagekräftig sein.

Jedenfalls haben Personen, die nicht rechtskräftig verurteilt sind, in einem Rechtsstaat als unschuldig zu gelten – besonders, wenn die Ermittler keine Kosten und Mühen zu scheuen hatten.

West beginnt mit Nellie, einer (angeblich) pro-stalinistischen Sowjetunion-Expertin, die 2016 für eine Lobbyingfirma “opposition research” gegen Trump betrieb (was von den Demokraten finanziert wurde).

Sie und ihr Ehemann, ein hochrangiger Beamter des Justizministeriums, sind wesentliche “Scharniere”, über die das dubiose Dossier eines ehemaligen MI6-Agenten Eingang in die US-Rechtsprechung findet – in die Judikatur geheimer Gerichte, die darüber entscheiden, ob der Spionage verdächtigte US-Bürger abgehört werden dürfen.

Derlei passierte im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 2016; mit der Folge, dass die Wahlkämpfer des heutigen Präsidenten state of the art bespitzelt wurden – letztlich auf Basis eines von Hillary bezahlten, nicht gegengecheckten “Dossiers”.

Der (angebliche) Autor dieser Schrift ist der nächste, der unter die Lupe genommen wird – und auch er entpuppt sich als ein prosowjetischer Leftie in den Endzeiten des Kalten Kriegs.

Es folgen die Chefs von CIA und FBI während der Obama-Administration – der eine ein (nur ehemals?) sozialistischer Nahost-Experte und späterer Islam-Konvertit und der andere ein Polizei-Bürokrat, der erstmals unter Bush dem Jüngeren in Erscheinung trat – der aber Student (links)radikaler, von der Frankfurter Schule inspirierter Theologen war.

Diese Leute haben sich nach Darstellung der Autorin mit Nicht-Beamten rund um eine demokratoide PR-Firma gegen Trump “verschworen”

- ein Unternehmen, das Kontakte zu Personen pflegte, die dem russischen Geheimdienst zugerechnet werden.

Eine von diesen veranlasste das sogenannte Trump Tower Meeting mit hochrangigen Akteuren der Kampagne des republikanischen Kandidaten – eine Falle, wie (nicht nur) West meint.

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Wie immer mehr heraus sickert, wurde das Trump-Team nach allen Regeln der (geheimdienstlichen) Kunst auf’s Korn genommen, auch unter Einsatz pikanter (und altbekannter) Schlapphut-Methoden - indem beispielsweise schöne Frauen auf Trump-Mitarbeiter im besten Mannesalter angesetzt wurden (“honey pots”).

Derlei war freilich weder die schlimmste noch die effizienteste Waffe.   :mrgreen:

Erlaubt waren/sind in dieser Welt jedenfalls alle Mittel, die dem Zweck dienen – in diesem Fall der Verhinderung eines Präsidenten DJT

(dem außen stehenden Beobachter drängt sich hier die Frage auf, wie das Wissen um diese Vorgänge generiert und dokumentiert werden konnte und ob die zweifellos vorhandene Gegenpartei sich der gleichen Methoden bediente).

Die über die Jahre sichtbar werdende Partei 1 jedenfalls, die Anti-Trumper, bestehen aus Akteuren in Behörden des US-amerikanischen Tiefen Staats und von deren internationalen Verbündeten (Geheimdienste der Five Eyes etc.).

Nicht sichtbar werden in diesem Bild beispielsweise die US-amerikanischen Militärgeheimdienste, die im “zivilen Inland” ja eigentlich nicht spionieren dürfen (ebensowenig wie die CIA).

Diana West glaubt auch KGB-Nachfolger am Werk, deren Interessenslage freilich das genaue Gegenteil dessen sein soll, was das Trump-feindliche Geheimdienst-Establishment in den USA und die “liberalen” fake news Medien ständig suggeriert haben.

Es sei den Russen eigentlich darum gegangen, Trump v.a. mit Mitteln der Disinformation (Desinformation) abzusägen - unter Zuhilfenahme westlicher Verbündeter, meint West.

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Das ist für diesen Blogger wenig glaubwürdig – ebensowenig wie die gegenteilige Behauptung, Trump stecke schon lange in der Tasche der Russen.

Wests Perspektive impliziert eine Generationen überdauernde Kontinuität (quasi-)sowjetischer Infiltration des US-Staatsapparats und läuft an manchen Stellen in kaum lösbare Widersprüche – beispielsweise bei der Figur Bill Browders.

Dieser Investmentbanker, spiritus rector des Magnitski-Narrativs. war und ist (in der Öffentlichkeit) ein scharfer Gegner des russischen Präsidenten.

Gegen Browder hat u.a. jene PR-Agentur gearbeitet, die über Nellie, Christopher und die linken Beamten gegen Trump tätig geworden ist und so gesehen hat diese Firma sowohl für den “Klienten Putin” wie auch für die “US-demokratischen” Trump-Feinde gearbeitet.

Sie scheint auch in das Trump-Tower-Meeting involviert zu sein, dem offenkundigen Versuch, die Donaldisten zu diskreditieren (die PR-Firma dementiert).

Gleichzeitig ist Putin-Feind Browder wegen seiner Familiengeschichte dringend verdächtig, ein Trojanisches Pferd der Russen/Sowjets zu sein – jener Mann, dessen Magnitski-Narrativ an der Wiege der antirussischen Gesetzgebung des US-Kongresses gestanden ist.

Nicht dass derlei nicht mithilfe von Dialektik und leninistisch-trotzkistischen Taktiken argumentierbar wäre.

Aber es ist eine super-komplizierte Erklärung und macht Denken über drei Ecken erforderlich.

Mindestens drei Ecken.

Diana West, The Red Thread. A Search for Ideological Drivers Inside the Anti-Trump Conspiracy, 2019

Bild: The Conmunity – Pop Culture Geek from Los Angeles, CA, USA [CC BY 2.0]

Unabhängiger Journalist

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