Der hiesige Quasi-Staatsfunk hat heute Mittag in einem Radiosender, der “gehört gehört”, was über Gold gebracht, anlässlich von dessen fortgesetztem Höhenflug in Dolores und Euronen (um das “flapsig auszudrücken”). Das Interview mit einem emeritierten Geologen-Prof und einem aktiven Finanzwissenschaftler war auffallend ok, wenngleich dieser Blogger natürlich einiges auszustallieren hat. Es geht dabei hauptsächlich um Auslassungen, aber auch um ein paar Dinge, die IMO falsch gesehen werden. Nach 15 Jahren Beschäftigung mit dem Thema und zweimaligem Hören der Sendung wird man wohl noch ein bisschen klug scheißen dürfen.
Anerkennend hervorzuheben ist von dieser Seite beispielsweise die Erläuterung des Finanzwissenschaftlers, dass der weithin publizierte Preis der Feinunze auch z.B. mit dem Geldmengenwachstum, den Zinsen, der Staatsverschuldung und dem Vertrauen in das jeweilige Fiat-Geld zusammenhängen
(während das “Energieregime”, oder der Umstand, dass der “POG” ein bloß “abgeleiteter”, also ein Derivativpreis ist, nicht so wichtig zu sein scheinen).
Womit wir schon bei den Goldpreisen angekommen sind, deren es einige gibt, wie Prof. Borrmann korrekterweise sagt,
die sich freilich nicht groß voneinander unterscheiden (wie dieser Nicht-Finanzwissenschaftler sagt). Entscheidend sind die Forward-Preise, die auf an Börsen gehandelten Kontrakten beruhten, für die man, wenn gewünscht, auch Physisches geliefert bekommen kann/konnte
(nur wollte das a) kaum jemand und b) die Menge, die “delivered” werden konnte, darf auch nicht allzu groß sein – das wurde bisher freilich nie “ausgetestet”).
Womit man bereits bei den Mengen angelangt wäre. Die Interviewten scheinen der Zahl des World Gold Council anzuhängen, kumuliert 216.000 Tonnen “above the ground”. Das ist eine eher üppige Schätzung, die in Rechnung stellt, dass Gold (abgesehen von “mit Königswasser”) nicht vernichtet werden kann.
Es kann aber verloren gehen, verschwinden, z.B. “below the ground”, in der Völkerwanderung.
Auch deshalb bevorzugt dieser Blogger eine niedrigere Zahl von um die 170.000 Tonnen, wie sie auch von der mittlerweile zu Reuters gehörenden GFMS vertreten wird.
Wichtiger noch als dieser Unterschied ist freilich der Umstand, dass geschätzt 90 Prozent des weltweiten oberirdischen Goldbestands seit etwa 1900 produziert wurden
- etwas, das im Radio nicht erwähnt wurde.
Hätte es aber sollen, weil mega-relevant
(der hauptsächliche Grund, warum heute jährlich 3.500 und nicht 10 Tonnen wie früher produziert wurden, liegt in der Verwendung von “dichter Energie” bei Erzabbau und Raffinierung – Kohle, Öl, Gas sowie – Fossilenergie in umgewandelter Form – Strom).
Mit diesem energetischen Input lässt sich auch der ständig kleiner werdende Goldgehalt des Erzes “in Schach halten” (um vom Recycling z.B. von altem Schmuck erst gar nicht anzufangen).
Womit man bereits beim Thema “Gold(erze) in der Erdkruste” angelangt wäre. Nach Meinung Prof. Lengauers, des pensionierten Erdwissenschaftlers, gibt es ausreichend natürliche Vorkommen, um mit dem in den vergangenen 8.000 Jahren akkumulierten Gold gleich zu ziehen
- was auch stattfinden werde, weil die Technik noch immer eine Problemlösung gefunden habe.
Nicht so schnell, bitte.
Die “Problemlösung” hat die Technik während vieler Jahrtausende vor 1900 auch nicht gefunden, während denen die jährliche Goldproduktion stagnierte
Ein bisschen mehr wurde zuerst mit den Vorkommen in der “Neuen Welt” produziert, unter Einsatz “wertloser” Indianer-Leben sowie dann ab ca. 1850, mit dem kalifornischen “gold rush”.
Aber nicht viel.
Die wahre Explosion der Goldproduktion setzte erst ab ca. 1900 mit den südafrikanischen Gruben und der zunehmenden Elektrifizierung ein, siehe z.B. hier und hier.
Neue (konzentrierte) Lagerstätten, tiefere Gruben, bessere Technologie, vor allem aber ein höherer bzw. diverser Energieeinsatz vervielfachten die jährliche Produktion.
Deshalb gehts heute auch nicht primär um den Gold(erz)gehalt der Erdkruste, es geht darum, mit welchem energetischen und finanziellem Aufwand das über Land und Meeresboden verstreute Erz abgebaut werden kann
(und da schaut’s nicht besonders gut aus).
Zu weit führen würde wohl auch eine kritische Diskussion der von Hr. Lengauer verwendeten Begrifflichkeit,
z.B. das (durchaus korrekte) Wort “Ressourçen” und dessen Abgrenzung zu den viel kleineren “Reserven”. Auch in der “verallgemeinernden” Interpretation des US-amerikanischen Shale-Booms scheint der Professor falsch zu liegen. Weder lässt sich die shale revolution bei Öl und Gas selbst weitere 50 Jahre fort schreiben oder geographisch womöglich einfach ausweiten,
noch lässt sich dieses Phänomen einfach auf einen mineralischen Rohstoff übertragen.
Mag sein, dass künftig neue, unvorhergesehene Abbauformen entwickelt werden,
aber ohne ausreichende, “richtige Energie” zum “richtigen Zeitpunkt” ist es unwahrscheinlich, dass aus diesen – flapsig formuliert – mehr als “wissenschaftliche Spielereien” werden.
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