Nicht alles ist Gold, was glänzt & nicht jedes Barrel ist ein Fass Öl

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srsroccoreport.com

Es gibt Leute, die ohne lang’ zu prüfen, müde abwinken, wenn irgendwo von Peak Oil die Rede ist – schließlich steht überall, dass es weltweit Billionen Barrel an proved reserves gebe und Matt Simmons, der Autor von Twilight in the Desert ist auch schon 13 Jahre tot – während die Saudis noch immer pumpen. Steve St. Angelo gehört nicht zu diesem Schlag. Der US-Blogger, der früher ein konventioneller Edelmetall-Fan war, ist heute ein – leider weitgehend erfolgloser – Mythenjäger, dem nicht geglaubt wird. Intellektuelle & Politicos, “die an die Energie-Zahnfee glauben”, haben es ihm besonders angetan.

In einem Posting zu Jahresbeginn nimmt  sich St.Angelo der wachsenden Diskrepanz von konventioneller Erdölproduktion und Neuentdeckungen solcher Vorkommen an.

In der Grafik “über dem Falz” ist zu sehen, dass 2023 nur etwa 15 Prozent des in diesem Jahr produzierten bzw. verbrauchten konventionellen Erdöls neu entdeckt wurden.

Diese Gesamtjahreszahl ist eine Schätzung auf Basis der Werte des ersten Halbjahres, die vom Branchendienst Rystad Energy veröffentlicht werden

- und selbst wenn die Entdeckungen von konventionellem Öl  im 2. Halbjahr ’23 unerwartet hoch ausgefallen sein sollten, zeigen die Jahre davor dennoch,

dass der jährliche Verbrauch 5 – 7 Mal höher liegt als die Neuentdeckungen (Verbrauch und Produktion sind weitgehend deckungsgleich).

Nun macht das konventionelle Öl je nach Metrik zwei Drittel bis 70 Prozent der täglich geförderten/abgebauten bzw. produzierten gut 100 Mio. “Barrel all liquids” aus, die in der Alltagssprache einfach als Erdöl tituliert werden.

Und ein Teil des Rests ist ja wirklich “Crude” wie beispielsweise “Light Tight Oil” (LTO) vulgo shale oil oder auch Erdöl aus Tiefseebohrungen.

Beides ist echtes Erdöl – aber eben kein konventionelles mit einem vernünftigem Verhältnis von Aufwand und Ertrag, wenn man so will,

also mit einer verminderten Energieausbeute.

Der “Rest des Rests” ist gar kein Erdöl,

sondern höchstens dessen “funktionelles Äquivalent”

  • wie beispielsweise Ethanol, das als Biokraftstoff bzw. Beimischung verwendet wird
  • oder ölähnliche Kondensate, die im Zug der Förderung von Erdgas entstehen (NGL; aus ihnen werden bevorzugt Kunststoffe produziert).

Auch die kanadischen Ölsande gehören übrigens zur “ersten Restmenge” und werden als nicht-konventionelles Erdöl gezählt.

***

Nun machten während der vergangenen 12, 13 Jahre nicht-konventionelles Öl (Shale, Ölsande) und ölähnliche Flüssigkeiten wie NGL mehr als 90 Prozent des Produktionszuwachses aus,

wie in Srsroccoreport mehrfach erläutert wurde.

Hauptsächlich wegen der zunehmenden Erschöpfung der konventionellen Felder verschiebt sich der Mix immer mehr zugunsten der nicht-konventionellen “Restmenge”;

in den USA sind bereits an die 70 Prozent der Erzeugung nicht-konventionelles Öl bzw. ölähnliche Flüssigkeiten.

Das altbekannte konventionelle Öl, das keine so rapide Erschöpfung wie z.B. Shale aufweist, geht dagegen langsam zur Neige.

Dieses Erdöl, das St. Angelo als “the real stuff” bezeichnet, liefert einen großen Teil der weltweiten Bewegungsenergie

und wird auf Futures-Märkten rund um die Uhr bepreist (“WTI”, “Brent”).

Wesentliche Fragen sind freilich,

  • ob bzw. in welchem Ausmaß das wichtigste Öl-Produkt, Diesel, aus der “Restmenge” gewonnen werden kann,
  • ob nicht auch bei “all liquids” das Ende der Fahnenstange bereits erreicht wurde (der Produktionshöhepunkt bei konventionellem Öl wurde angeblich bereits 2005 überschritten; seither gibt es ein “schwankendes Hochplateau”) und
  • ob die Bepreisung von Erdöl auf den Derivat-Märkten auch adäquat ist.

Grafik: srsroccoreport.com, mit freundlicher Genehmigung

Unabhängiger Journalist

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