Heute, am 3. November, sind Midterm-Wahlen in den USA, und die ersten Ergebnisse werden erst in ein paar Stunden bekannt. In den Mainstream-Medien werden massive Verluste der US-Republikaner erwartet (es wäre allerdings nicht das erste Mal, dass sich die MSM täuschen).
Davon abgesehen, sind im US-Wahlkampf eine Menge G’schichterln aufgetischt worden, die wenig mit der Realität zu tun haben, wie dieser Blogger meint, sowohl auf (US-)demokratischer als auch auf republikanischer Seite. Drei “Einwürfe” und eine alternative Erklärung zum Großthema Treibstoffpreise.
Man könnte sagen, dass dem Rechtspopulisten Trump mit gleicher Münze heimgezahlt wird, wenn implizit oder explizit behauptet wird, dass der “neue Golfkrieg” und das militärische/außenpolitische Agieren der USA dort die Hauptursache für den Preisauftrieb von Treibstoffen an den Tankstellen in den USA sei.
Während die Derivativ-Benchmarks WTI und Brent von aktuell 90 bis gut 100 US-Dollar das Fass und der Weltmarkt eine beschränkte Rolle spielen dürften,
ist das wohl nicht der Haupttreiber der “Inflation” an den sg. pumps und im US-Lebensmitteleinzelhandel.
Warum und was sind die Indizien dafür (es gibt nämlich welche)?
- Erstens haben die USA vor Kriegsausbruch “brutto” nur etwa 8 Prozent ihres Rohöls aus dem “Mittleren Osten” bezogen, schwerere Fraktionen, die – welch Zufall - nun wieder aus Venezuela kommen, eine “Kompensation”, praktisch zeitgleich mit dem “neuen Golfkrieg” ein paar tausend Kilometer weiter östlich. Der Auftrieb der Treibstoffpreise im “Einzelhandel” in den Staaten kann also nicht vom realen Verhältnis von Angebot und Nachfrage kommen, sondern hat höchstens etwas mit dem “internationalen Umfeld” zu tun.
- Der für die USA verwendete benchmark “WTI” kletterte von ca. 66 Dollar das Fass vor dem “neuen Golfkrieg” auf heute etwa 96 Dollar, was sich in den US-Benzinpreisen weitgehend widerspiegelt. Die Gallone Diesel ist im US-Schnitt aber doppelt so teuer geworden, siehe dazu die historischen Charts der “Macrotrends” zu Benzin und Diesel.
- Drittens haben die US-Präsidenten nur wenig mit den Preisen “at the pump” zu tun, und zwar weder Trump noch Obama, was sowohl den Republikanern als auch den US-Demokraten ins Stammbuch geschrieben sei.
Die realen Preise hängen von Dingen wie z.B. der US shale revolution und den Reaktionen der OPEC darauf oder (glaubwürdigen) Vorhaben relevanter player für (echte) “Öl-Erweiterungsinvestitionen” ab
(und ein wenig sehr wohl davon, wie Futures-Händler diese news wahrnehmen).
US-Präsidenten haben da relativ wenig Einfluss drauf,
und deswegen kann Obama relativ wenig für den Kollaps der Derivativ-Preise Ende 2014,
noch kann Trump viel für die Steigerung der Derivativpreise seit März 2026.
Das scheinen weder in der Wolle gefärbte US-Demokraten, noch ebensolche Republikaner zu kapieren.
Die Meinung eines “patriotischen” Teils der US-Wählerschaft, dass die Gallonen-Preise Benzin “unter Obama” höher gewesen seien als heute, ist ausweislich der EIA-Zahlen zum jeweiligen US-Durchschnitt übrigens falsch,
auch für die “Hoch-WTI-Phase” 2012 (soeben gecheckt, aber nicht verlinkt).
Die versprochene alternative Erklärung, die dieser Blogger auftischen kann, hat etwas mit “Peak Oil”,
heute speziell nur bei “schwererem” und “saurerem” crude zu tun
(leichteres Rohöl scheint es in den USA, aber auch international – noch – zur Genüge zu geben).
Deswegen ist letztlich der Dieselpreis viel stärker gestiegen und deswegen zaubert band aid-Spezialist Trump aus jeder Proportion gerissene “Diesel-Deals” mit den Russen aus dem Hut,
was die – ebenfalls populistischen – US-Demokraten als politisch unmoralisch und nicht rechtssicher verteufeln, während angelentlich darauf “vergessen” wird,
dass die von den Russen konkret versprochenen Lieferungen eh nur 2,5 bis 3,6 “Tagesbedarfe Diesel” in den USA ausmachen, siehe u.a. hier.
Bild: © Nevit Dilmen, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
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