“Kriegskassen füllen” mit Diesel-Erlösen? Ein (echter) Faktencheck

Der US-Präsident hat aus innenpolitischen Gründen ein bisserl Diesel bei den Russen gekauft (kaufen lassen), eigentlich ein “Nothingburger”, wie ein Analyst gemeint hat. Trump-Kritiker und -Feinde, offenbar selbst Spezialisten für Nothingburger, meinten daraufhin, Trump fülle damit die “Kriegskasse Putins”, was a) angesichts der Dimensionen lächerlich ist und b) in einem faktisch von den Regierungsparteien dominierten (Quasi-)Staatssender eines (formell) neutralen Landes nicht einfach daher behauptet werden sollte. Besagtes Narrativ wird freilich in der gesamten MSM-Journaille rauf- und runtergespielt. Nachdem im vorangegangenen Eintrag der Stuss, den Trump verzapft hat, zerpflückt wurde, widmet sich der vorliegende Text u.a. der Frage, was sich das russische Militär von Trumps Diesel-Millionen jetzt alles leisten kann.

Vorbemerkung Dieser Blogger hält die aktuelle Dieselknappheit für ein veritables Problem, das binnen kurzer Zeit eskalieren wird und für das er eine völlig andere Erklärung hat als praktisch alle MSM-Journos. Das ist aber nicht Thema dieses Eintrags, der problemlos ohne diese meine Beurteilung der aktuellen Situation nachvollzogen werden kann. Genau genommen handelt es sich hier um einen Faktencheck nach Art des Hauses, einen echten

- nicht einen, wie ihn Norbert Häring beschreibt.

Zunächst – zur Erinnerung – Trumps “Diesel-Deal,” der (vor)gestern in den MSM so hohe Wellen schlug:

  • Russland liefert den Amis sofort 300.000 Tonnen Diesel, die natürlich auch sofort bezahlt werden müssen. Leider hat Trump nichts über den Kostenpunkt der russischen Lieferungen gesagt, nachdem es sich bei ihm aber um einen Meister-Verhandler handelt (“The Art of the Deal”), wird davon ausgegangen, dass die Abnehmer nicht mehr zahlen als was in New York für schwefelarmen Diesel auszulegen ist (was der gelieferte russische Diesel wohl nicht ist).
  • Die zweite Tranche im kommenden Monat beinhaltet die Lieferung von 500.000 Tonnen Diesel, die natürlich auch gleich bezahlt werden müssen, wie bei “Ware gegen Geld-Geschäften” üblich. Leider steht der “aktuelle Marktpreis” künftiger Transaktionen noch nicht fest, weswegen dieser Blogger vorerst mit der letzten “historischen” Notierung Vorlieb nehmen muss (vielleicht gibt es eh einen vereinbarten, aber – noch – nicht veröffentlichten Kaufpreis).
  • Zum Abschluss kommt der dicke Brummer:  Eine Million Tonnen Diesel, spätestens im Dezember (“immediately thereafter”). Dafür gilt sinngemäß die im zweiten Punkt angeführte Einschränkung: Wir wissen nicht genau zu welchem Preis die Lieferung erfolgt. Vorläufig wird auch hier ein Preis von gut fünf Dollar pro Gallone angenommen.
  • Trump macht für besagte russische Diesel-Lieferungen eine bis nächsten April befristete Sanktions-Ausnahme (die für die EU natürlich nicht gilt).
  • Die von Moskau weiter in Aussicht gestellten Mengen sind “Hättiwari”, das nur dann geliefert wird, wenn die russischen Raffinerien dazu in der Lage sind.

Es geht hier also um 13,5 Millionen Barrel Diesel, 3,6 bzw. 2,5 “Tagesbedarfe” der Staaten bzw. von dort ansässigen Händlern, siehe u.a. hier.

Zunächst zum

Preis.

Ausweislich der (für diese Recherche) jüngsten Angaben der Energy Information Administration - siehe Screenshot – kostet die Gallone schwefelarmer Diesel im New Yorker Hafen 5,3 Dollar (Großhandelspreis), der Liter mithin 1,39 US-Dollar (gallon /3,8).

Daily Prices - U.S. Energy Information Administration (EIA)_Eingeringelt_resized

Die erste Tranche der russischen Diesellieferungen – 300.000 Tonnen – sind bei einer typischen Dichte von 0,84 kg pro Liter also 357,1 Millionen Liter (siehe Screenshot des “Umrechners”)

300000_Tonnen_Convert tonnes to liters of diesel_master_eingeringelt

Multipliziert mit 1,39 Dollar müssen nach diesem Ansatz für besagte Menge also 357.100.000 x 1,39 = 496,4 Millionen Dollar gezahlt werden, sagen wir der Rundung halber: 500 Millionen Dollar.

Vergleichsgrößen

Der russische Zentralstaat gibt nach dieser – eigentlich dem heurigen Defizit gewidmeten Reuters-Meldung - pro Monat aber 3,8 Bio. Rubel aus (45,1 Bio./12),

was dem offiziellen Kurs zufolge etwa 44,7 Mrd. Dollar sind,

die 500 Millionen Dollar vom Oktober entsprechen somit etwa 1,1 Prozent der monatlichen russischen Ausgaben.

Bleibt der Erlös freilich gänzlich in Dolores und kauft Putin damit ausschließlich US-Militärtechnologie ein, könnte er damit ein paar kalifornische Einwegdrohnen oder ein System zur Drohnen-Abwehr erwerben,

was dem Selenski sicher nicht recht wäre.      :mrgreen:

Im November könnte Putin dann überhaupt schon 827 Millionen Dollar mehr in der Tasche haben und noch mehr US-Drohnen einkaufen,

und wenn er im Dezember (oder so) 1,2 Mrd. Liter Diesel an die Amis verkauft, 

wird er voraussichtlich 1,7 Mrd. Dolores in der Tasche haben, wofür man schon eine ganze Menge Kriegsgerät kriegt,

z.B. einen Stealth-Bomber, fünf F-35 oder vier Patriot-Systeme.

Korrespondent & “Korrespondent”

Selenski hat jedenfalls davor gewarnt und die MSM haben das gebührend abgefeiert,

in Ö. auch die ZiB1 im ORF-Fernsehen,

die eine “Live-Schalte” mit unterschiedlichen Sorten von Korrespondenten brachte,

der eine Hauptstadt-K. in Washington und der andere der um 25 Jahre ältere Korrespondent für ganz (Süd)Osteuropa (nicht nur für Belgrad).

Wehrschütz wird demnächst in Pension gehen (sofern er das noch erlebt; an den O-Tönen konnte man übrigens auch die höchst unterschiedlichen Berufsauffassungen der beiden ablesen).

Die Vereinheitlichung der journalistischen Berufsbilder im ORF wäre eigentlich Aufgabe eines Chefredakteurs, eines echten.

Bis das geschafft ist, wär’s freilich schon ein Fortschritt, wenn die Korrespondenten des Quasi-Staatssenders nicht nachplappern, was ihnen die private internationale Journaille vorplappert. 

Der ORF ist seinem Selbstverständnis nach und selbst verfassten Texten zufolge zwar unabhängig,

  • dessen neuer Generaldirektor wurde vor vier Monaten aber von allen der SPÖ zugerechneten Stiftungsräten sowie dem Großteil des “ÖVP-Freundeskreises” gewählt, was irgendwie den Eindruck erweckt, dass Emissäre der beiden größeren Koalitionsparteien den neuen General installiert haben (und danach dessen Team). 
  • Davon, dass der von den Regierungsparteien dominierte Nationalrat die “Programmentgelte” des Quasi-Staatssenders festlegt, will dieser Blogger erst gar nicht zu reden beginnen.

Unabhängiger Journalist

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