Gas: Ein Lücken-Verschwindibus samt (echtem) Faktencheck

AGSI_Europe_01_September_26_eingeringeltGrad einmal sechs Wochen ist es her, da hat dieser Blogger für Deutschland eine Gas-Speicherlücke von fast fünf Milliarden Kubkmetern konstatiert, während den dortigen sg. Behörden u.a. von Stefan Spiegelsberger (“Outdoor Chiemgau”) und Maurice Höfgen (“Politik mit Kopf”) – zwei “autochthonen Deutschen” – Saures gegeben wurde. Heute ist, abrakadabra, die Gas-Speicherlücke um fast ein Drittel geschrumpft, sowohl in Deutschland wie in “AGSI-Europa”. Blöderweise wurde etwa gleich viel importiert, noch kann die im Spätsommer ’26 stattfindende Mehrverstromung die Schrumpfung der Speicher-Lücke um EU-weit 4,4 Mrd. Kubik erklären, wie aus anderen Daten-Sets hervorgeht. Dieser Blogger weiß zugegebenermaßen nicht genau, wie dieses Ding gedreht wurdeAGSI_Europe_18-Oct_26_eingeringelt, er weiß nur, dass a) derartige Veränderungen binnen kürzester Zeit “1A-Erklärungen” benötigten und b) dass “konventionelle Erklärungen” hier nicht in Frage kommen bzw. ausreichen. NB/Korrektur.

Um die folgende “Datenflut” richtig einzuordnen, sollte einem zunächst bewusst werden, dass die beschriebenen Vorgänge durch die Bank in der “Einspeicher-Saison” stattgefunden haben, in den (Spät-)Sommermonaten, in denen in jedem einzelnen Jahr mehr ein- als ausgespeichert wird

und dass es daher zwischen 1. September und 18. Oktober 2026 – einem relativ aktuellen, ansonsten aber relativ willkürlichen “cut off date” – einen Zuwachs gibt

(in den Wintermonaten kehrt sich das Spiel dann um).

EU-weit waren am 18. Oktober 2026 um 103 Terawattstunden mehr eingespeichert als am 1. September des Jahres, was etwa 10 Mrd. Kubikmetern Erdgas entspricht (10,5 TWh entsprechen ca. 1 Mrd. Kubikmeter Gas).

Hier geht es aber um die “Speicher-Lücke”, worunter der Abstand (Rückstand) des jeweiligen heurigen Werts gegenüber dem Vergleichstag des vergangenen Jahres verstanden wird, also:

  • Wie hoch war der Rückstand am 1. September 2026 gegenüber dem 1. September 2025 und
  • wie hoch war dieser im Vergleich vom 18. Oktober 2026 gegenüber dem 18. Okober 2025?

Hier hat sich auf Basis der Zahlen des Aggregated Gas Storage Inventory herausgestellt, dass in “AGSI-Europa”dieser Abstand Anfang September noch 146 TWh betrug, bis 18. Oktober auf wundersame Weise aber auf 99.9 TWh geschrumpft ist (siehe “selbst eingeringelte” historische Screenshots aus der AGSI-Datenbank):

AGSI_Europe_01_September_25_eingeringelt

 

AGSI_Europe_18_Oct_25_eingeringelt

 

(betrachtet wird hier das “Gas in Storage”/Arbeitsgas, das jeden Tag zentral gemeldet wird)

Wir hatten am 1.September 2026 also noch einen “Rückstand”von 146 Terawattstunden, der sich bis 18. Oktober 2026 auf 99.9 TWh verringert hat,

was EU-weit einem Rückgang von 46,1 TWh oder 4,4 Mrd. Kubikmetern Erdgas entspricht (in Deutschland, dem sich dieser frühere Eintrag gewidmet hat, schrumpfte die Speicherlücke um einen ähnlichen Prozentsatz auf 3,6 Mrd. m3)

Das läge alles im Bereich des Möglichen, wenn in den Wochen dazwischen z.B.

  • eine jähe Veränderung der Importe stattgefunden hätte,
  • ein unverhoffter Kälteeinbruch im Sommer die Konsumenten dazu verleitet hätte, ihre Gasheizungen einzuschalten oder
  • die Gasverstromung wetter- bzw. windbedingt massiv zugelegt hätte.

Nichts davon war in Europa sichtbar.

Während die Kälteeinbruchs-Hypothese wegen Abwegigkeit nicht weiter verfolgt wird, könnte es kriegsbedingt durchaus zu nennenswerten Unterbrechungen der Importe gekommen sein,

weswegen die von Bruegel aufbereitete Datenbank der EU-Gasimporte (14.10.) zu Rate gezogen wurde.

Das “Importargument”

Hier interessierte vor allem der Zeitraum von Woche 36 bis Woche 41,

was heuer dem Zeitraum vom 31. August bis zum 11. Oktober entspricht (jüngere Daten sind für 2026 noch nicht verfügbar)

Folgend ein Screenshot der Bruegel-Daten, der einen Vergleich mit den entspechenden Wochen der Vorjahre (“like to like”) ermöglicht:

EU_Importe_KW36_bis_KW41_master_highlighted

Die Daten zeigen für die sechs Wochen 2026 – gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025 – einen geringen Rückgang der Importe um knapp 200 Millionen oder 0,2 Mrd. Kubikmeter,

was keinesfalls die Hauptursache für eine Schrumpfung der Speicherlücke um 4,4 Mrd. m3 bzw. gut 31 Prozent sein kann (der marginale Rückgang der Einfuhren ggü. vergangenem Jahr könnte durchaus mit dem Ausfall der Importe aus “middle east” zusammenhängen,

das wäre aber, wie gesagt, ein lediglich marginaler Rückgang

- 2025 weniger als 10% des in die EU importierten LNG – siehe u.a. Tortengrafik vom 5. Dezember 2025)

Zeitgleich kam es zu einer wundersamen Speichergasvermehrung um 103 TWh, die

  • eben weder auf veränderte Importe,
  • noch auf eine stark veränderte Verstromung zurückzuführen ist, wie gleich gezeigt wird (vlt. zu einem kleineren Teil).

Die wundersame Speichergasvermehrung der vergangenen Wochen machte von 1. September bis 18. Oktober um 81 Prozent mehr aus als der Zuwachs im Vergleichszeitraum 2025 (damals knapp 57 TWh).

Zum Schluss noch der versprochene “Faktencheck” zum Thema Gasverstromung in den Wochen 36 – 41,

denn schließlich hätte es witterungsbedingt ja zu einer massiven Veränderung des Verbrauchs durch Gaskraftwerke kommen können.

Das “Verstromungsargument”

Gottseidank ermöglichen es die Daten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme die durch (öffentliche) Erdgasverstromung in der EU 27 entstandene Elektrizität zu beziffern.

Sofern dieser Blogger richtig addiert (und “übertragen”) hat,

entstanden von 31. August bis 11. Oktober 2026 (“Wochen 36 bis 41″) knapp 42 TWh in Gaskraftwerken,

im Vergleichszeitraum im Jahr davor aber nur 37,5 TWh. Das ergibt eine Differenz von 4,5 TWh, was einem Mehrverbrauch von 430 Millionen m3 entspricht

(was auf der Ebene des Gaseinsatzes freilich verdoppelt werden muss – “Turbineneffizienz”)

Wir haben für den Betrachtungszeitraum durch Gaskraftwerke also einen Mehrbedarf von 860 Millionen Kubikmetern

und Minderimporte von 181 Millionen Kubikmetern, 

was unter dem Strich einer Mehrbelastung der Speicher von etwa 600 Mio. Kubikmetern entsprechen könnte

(vielleicht auch viel weniger, wenn die Gaskraftwerke ohne Umwege über “meldepflichtige Speicher” importieren).

Die EU-weite “Speicherlücke” hat sich bis zum 18. Oktober 2026 aber um 4,4 Milliarden Kubikmeter verringert. Wie soll derlei gegangen sein?

NB/Korrektur, 22.10., 06.00 Uhr: Ein paar Sätze zum Schluss neu formuliert, weil in der ursprünglichen, nunmehr korrigierten Version ein Minderimport mit einem Mehrbedarf addiert wurde, obwohl der Erstere subtrahiert gehörte. Wenig Unterschied im “argumentativen Ergebnis”, die Unvereinbarkeit von “Schrumpfung der Speichergaslücke” und statistisch abgebildeten, realen Geschehnissen wird nur noch größer. 

Unabhängiger Journalist

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