Was seit “9/11″ geschehen ist

Das G’schichtldrucken über 9/11 ist mittlerweile beim vormals kritisch gestimmten Trump-Publikum angekommen und die Rechte scheint sich endgültig der Staats-Legende von den Heroischen Helfern am Ground Zero bemächtigt zu haben. Die Demokraten “gedenken” auch, wenngleich mit etwas anderer Akzentsetzung und Erinnerungspolitik. Im Kern geht es hier wie da um eine “unprovozierte Attacke” gegen das Herz des Imperiums, die, wie die folgenden Jahre zeigten, innen-und außenpolitisch eine Menge bis dahin “Undenkbares” rechtfertigte. Die “patriotische Rechte” hatte schon 2001 ff. kein Problem mit den “Kollateralschäden”, die im Zug des vorgeblichen Abwehrkampfs gegen besagte “Attackierer” entstanden sein sollen, sei es im Irak oder daheim und “liberale Politicos” kritisierten zwar eine Unmenge von Details, konnten sich aber nie dazu aufraffen, das gesamte, ziemlich durchsichtige Meta-Narrativ in Frage zu stellen, im Gegenteil. Die Staatslegende wurde für eigene politische Zwecke genutzt, etwa bei der Kommandoaktion, mit der 2011 der “Drahtzieher” von 9/11 in Pakistan getötet worden sein soll, ein Vorgang der nie unabhängig bestätigt worden ist.

Folgend soll versucht werden, auf die sonst nur mehr für Historiker relevante Frage “Who’ done it?” zu verzichten und dafür ein paar “Megatrends” anzutönen, die zeitlich nach dem 11. September 2001 eingesetzt haben.

Wie für Dallas 1963 gibt es eine Menge orthodoxe und unorthodoxe Theorien für das Ereignis selbst, die hier nicht weiter diskutiert werden sollen,

obwohl dieser Blogger nach wie vor der Ansicht ist, dass das offizielle Narrativ dazu ganz oder weitgehend falsch ist. Speziell unglaubwürdig erscheinen ihm die nachgereichten Theorien zum Kollaps des WTC7.

Aber die Ereignisse selbst liegen inzwischen fast eine Generation zurück und wie bei den gefälschten Dokumenten des Mittelalters zählt “zeitnahe” nur ihre Wirkung,

nicht aber, wer wann mit welchen Mitteln und aus welchen Motiven gefälscht hat oder fälschen ließ.

Die international sichtbarste “Folge” der Attacke auf das WTC, das Pentagon und ein Verkehrsflugzeug in Pennsylvania waren zwei US-Kriege gegen (auf dem Papier) inferiore Gegner, die heute – wenigstens von liberal gestimmten Gedenkdienstlern – durchaus erwähnt werden:

die Kriege gegen Afghanistan (2001) und den Irak (2003). Während in den genannten erinnerungspolitischen Texten nie darauf vergessen wird, dass “Baby Bush” und seine Kabale diese Waffengänge maßgeblich betrieben haben,

wird i.d.R. über die damaligen Kriegsermächtigungen im US-Oberhaus auch von allen “demokratischen Senatoren” der Mantel des Schweigens gebreitet, siehe hier und hier.

Die beiden Kriege wurden nicht einfach von Präsident Bush und Vizepräsident Cheney “willkürlich vom Zaun gebrochen”,

sondern waren ein “bipartisan project” des Petrodollar-Imperiums,

mit dem viele liberale Heuchler prinzipiell ja zufrieden sind,

nur halt nicht, wenn ihnen der amtierende Caesar Augustus nicht genehm ist.          :mrgreen:

Kritisch erwähnt wird oft auch der 9/11 folgende Patriot Act, der im Inneren die polizeistaatlichen Befugnisse der Zentralgewalt massiv ausgeweitet hat,

ein Gesetz, für das 2001 99 Prozent der abstimmenden republikanischen Unterhaus-Abgeordneten und 70 Prozent ihrer demokratischen Kollegen votierten. Die Senatoren stimmten überhaupt gleich 98:1 dafür.

Das Gesetz, das mehrfach – auch unter Obama – verlängert wurde, widmete sich unter “title III” auch dem “money laundering” ,

einem Betätigungsfeld, wo der in den Vordergrund gestellte Kampf gegen Terrorismusfinanzierung und OK genutzt werden konnte um gegen angebliche oder wirkliche Steuerhinterzieher, politisch missliebige Individuen und - allgemein - das sonst ständig beschworene Ideal der financial freedom vorzugehen.

Natürlich war die Gesetzeslage im imperialen Zentrum nicht ausreichend. Für die Internationalisierung der “Title III-Bestimmungen” des Patriot Act wurde eine bereits in den 1980ern von der G7 gegründete Organisation, die Financial Action Task Force (FATF) genutzt, aufgedoppelt durch Direktiven der ach so unabhängigen EU,

die sich über die internationale Konkurrenz durch hunderte OK-Netzwerke besorgt zeigte. Seither müssen Bankkunden, die oft nur Bagatellbeträge überweisen oder abheben wollen, über jedes Stöckchen springen, das ihnen ihre Bank vor hält,

selbstverständlich unter Hinweis auf den dahinter liegenden guten Zweck und “internationale Vorgaben”, die es zu erfüllen gelte.

Der Mythos von der Terrorfinanzierung via Überweisung löste eine regelrechte Kaskade an anderen Vorwänden aus, von denen sich einer besser als der andere anhörte – meist ganz nach dem Geschmack von Gängelungs-Politicos aller Nationen.

Besonders engagiert zeigten sich Sozialstaatsideologen in Europa, denen die angebliche Terrorfinanzierung via bargeldlosem Zahlungsverkehr zwar egal ist, die bis heute aber der Meinung sind, dass nur eine möglichst lückenlose Kontrolle der Kapitalflüsse die Existenz aufgeblähter Staats- und Suprastaatskonglomerate sichern kann.

Das ist zwar ein Schmarren, weil eine derartige Kontrolle höchstens eine Lebensverlängerung der Sozialstaaten bewirken kann,

sie spielt im gelenkten demokratischen Diskurs aber dennoch eine wichtige Rolle.

The Name of the Game war von Anfang an Erdöl, das erkannte das “Project for a New American Century” schon richtig

(der neokonservative Thinktank irrte sich “nur” in seiner Überschätzung der Öl-Ausstattung der Kaspischen Region).

Die Schlüsselrolle von Erdöl (und zunehmend Erdgas) zeigte sich in den Jahren nach 2005/06, als weltweit der peak conventional oil erreicht wurde,

was freilich – wie sich erwies -  einer weiteren “extension” um 20 Jahre nicht im Weg stand

(was durch mehrere Faktoren ermöglicht wurde, z.B. durch die shale revolution in den USA, die weltweite Steigerung des Kredit-Einsatzes und eine internationale Neudefinition, in der “all liquids” zu Erdöl mutierten.)

Die USA selbst scheinen dank des Strohfeuers ihrer Shale-Revolution und der Schweröl-Einfuhren aus Kanada und Venezuela vorerst eher immun,

aber die internationale Rolle ihrer Landeswährung hängt seit den 1970ern an der Verfügbarkeit von Erdöl für US-Dollars,

die schlicht nicht mehr gegeben ist.

Das und nicht die angebliche Wertbeständigkeit des USD oder die “Tiefe der US-Anleihenmärkte” ist die Basis für den Petrodollar und die Globalisierung US style.

Um zum Leitmotiv dieses Eintrags zurückzukehren:

Die zunehmende Knappheit von raffinierbarem Erdöl ist auch eine neue Dynamik, die sich erst nach 2001 entwickelt hat.

Und um meine – sicherlich grob unvollständige – Liste abzuschließen:

Das Verhältnis von (“westlichen”) Regierungen zu den Medien hat sich in den vergangenen 25 Jahren fundamental verändert.

Was die damals junge “PR-Wissenschaft” (unter “demokratischen Verhältnissen”) im Ersten und Zweiten Weltkrieg des 20. Jahrhunderts punktuell geschafft hat – “pazifistische” westliche Öffentlichkeiten auf Kriegskurs zu bringen -, ist seit 15, 20 Jahren zu einem permanenten Feature geworden:

Statt sich als antagonistische “vierte Gewalt” zu begreifen, hilft die Journaille nun den Regierenden bei der “Darstellung nach außen”

(solange die Regiernden keine Feindbilder sind und/oder gegen den Werte-Kanon der “Ingroup” verstoßen).

Regierungsferne scheint neuerdings keine journalistische Tugend mehr zu sein und Kritik richtet sich nur selektiv gegen Akteure, die als “jenseits” empfunden werden

- jenseits des jeweiligen ideologischen Burggrabens

(das hat, wie dieser Blogger aus eigener Erfahrung weiß, auch einen nachvollziehbaren lebensgeschichtlichen Hintergrund:

Wer eine Familie zu versorgen hat ist auf ein kontinuierliches Einkommen angewiesen

- notfalls von einer PR-Firma, die ihre Dienstleistungen an kaufkräftige Kunden vergibt).

Unabhängiger Journalist

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