Erdöl und Menschenrechte

Beim derzeitigen Irankrieg liegt naturgemäß noch vieles im Dunkeln. Die Kriegsparteien legen ihre Strategien nicht offen, sondern tarnen und täuschen. Einiges im Kriegsgeschehen ergibt sich spontan aus den Ereignissen. Oft betreiben die Kriegsparteien gezielt Desinformation und Kriegspropaganda.Bild_Schimanko Niall Ferguson spricht hier vom „Fog of War“ (Niall Ferguson: America, This War Is In Your Interest, The Free Press 28.02.2026 [Min. 1:29]). Aus den wirtschaftlichen Hintergründen läßt sich aber einiges über mögliche oder gar wahrscheinliche Handlungsmotive der US-Regierung erschließen. Und da ist dann noch das Thema des Umsturzes für die Verwirklichung der Menschenrechte. Von Dr.Dr. Heinz-Dietmar Schimanko

„Ich weiß schon, meine Damen und Herren, das alles ist sehr kompliziert so wie diese Welt, in der wir leben und handeln, und die Gesellschaft, in der wir uns entfalten wollen. Haben wir daher den Mut, mehr als bisher auf diese Kompliziertheit hinzuweisen; zuzugeben, daß es perfekte Lösungen für alles und für jeden in einer pluralistischen Demokratie gar nicht geben kann. Helfen wir mit, daß die simplen Denkmuster in der Politik überwunden werden können und daß wir die notwendigen Auseinandersetzungen für einen demokratischen Willensbildungsprozeß ohne Herabwürdigung der Politik führen können.” (Dr. Fred Sinowatz, Die Regierungserklärung des Kabinetts Sinowatz-Steger, 31.05.1983, S 39f)

Manche Menschen tendieren zu monofaktoriellen Erklärungsansätzen. Die meisten Situationen und Ereignisse sind aber multifaktoriell. So auch der von Israel und den USA seit 28. Februar 2026 geführte Militärschlag gegen den Iran, genau genommen gegen die Truppen und Einrichtungen des dort seit 1979 regierenden Mullah-Regimes.

Föderative Strukturen als Lösung

Es ist eben leider nicht nur Schwarz-Weiß, sondern man muß immer auch den Aspekt der Stabilität der Region dabei betrachten (Prof. Michael Wolffsohn, Die ganze westliche Welt hatte sich mit dem Mullah-Regime abgefunden, Interview von Ralf Schuler mit Prof. Michael Wolffsohn, NiUS 06.03.2026 [04:30]). Im Iran bestehen nicht weniger als 11 Hauptethnien, wodurch eine Tendenz besteht, daß bei einem Sturz der Mullah-Diktatur der Iran in neue Staaten zerfällt (dazu im Detail Schimanko,  Iran – Shiitischer Fundamentalismus im Vielvölkerstaat, bachheimer.com NL 30/2025).

Der Systemwechsel im Iran ist sehr schwierig, wenn dafür nicht die Vorbereitungen getroffen worden sind (Wolffsohn, aaO [Min. 04:50]). Als sinnvollste Maßnahme, um einen Regimewechsel zu bewirken, erscheint die Bewaffnung und Unterstützung einzelner ethnischer Gruppen, insbesondere der Kurden, Belutschen und Azeris (Wolffsohn, aaO [Min. 05:40 u. 12:15]).

Wenn der Sturz des Terror-Regimes der schiitischen Fundamentalisten gelingt, wird ein neues föderatives Staatssystem am stabilsten sein, weil eine zentralistische Struktur in einem Vielvölkerstaat Instabilität bedeutet (Wolffsohn, aaO [Min. 10:10]). Die vermeintlichen außenpolitischen Experten verstehen nicht, daß die Reduzierung von Teilmacht eine Stärkung des Gesamtstaats bewirkt (Wolffsohn, aaO).

Der Problemfall Steinmeier

Die westeuropäische Haltung ist geprägt von Unkenntnis der Gegebenheiten oder gar einer Befürwortung der Mullah-Diktatur. So hat der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dem Mullah-Regime, das eine der schlimmsten nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Diktaturen ist, sogar zum 40. Jahrestag der iranischen Revolution gratuliert, was völlig inakzeptabel ist (Wolffsohn, aaO [Min. 13:45]). Beatrix von Storch hat das zutreffend kritisiert (Redebeitrag von Beatrix von Storch in der 61. Sitzung des Deutschen Bundestags am 04.03.2026 um 16.35 Uhr).

Naivität und Scheinheiligkeit im Westen

Der Versuch Westeuropas und der US-Regierung Obama, das Mullah-Regime zu befrieden und zur atomaren Abrüstung zu bringen, indem sie mit dem Iran ein Atomabkommen abschließen, war untauglich (vgl. Wolffsohn aaO [Min 14:20]). Daß einige europäische Regierungen nun gegen die im Iran erfolgende israelische und US-amerikanische Militäraktion wettern, steigert den Unfug.

Die Debatte, ob der von Israel und den USA geführte Militärschlag gegen das Mullah-Regime völkerrechtskonform ist, erscheint heuchlerisch (Henryk M. Broder, Annalena Baerbocks Märchen, Welt TV 05.03.2026 [Min 0:25]), jedenfalls nach humanistischen Grundsätzen. Das Völkerrecht habe sich nur bewährt “als Schutz für Diktatoren, Despoten und Massenmörder", meint Henryk M. Broder. Man hat bislang auch nichts unternommen gegen die "47jährige Blut-Diktatur im Iran", so Broder weiter.

Israel und die USA handeln nun. Und sind damit für viele unter der Mullah-Tyrannei leidenden Iranerinnen und Iraner ein Hoffnungsschimmer. Sollten die USA mit ihrer Aktion neben dem Sturz des Mullah-Regimes auch bezwecken, ihren Neo-Erzfeind China nicht nur vom venezolanischen, sondern auch vom iranischen Erdöl abzuschneiden, wäre das quasi ihre Prämie für die Durchsetzung der Menschenrechte.

Erdöl

China deckt einen erheblichen Teil seines Erdölbedarfs mit Erdöl aus dem Iran (Prof. John H. Cochrane in Gulf War III oder Cold War II: Iran Truth and Consequences, Good Fellows, Hoover Institution 07.03.2026 [Min 14:35]). Berichtet wird, daß China bislang 54% der venezolanischen Erdölexporte und 87% der iranischen Erdölexporte erhielt (Dave Rubin in Listen to Press Go Quiet as Rubio Reveals Real Reason for Iran Attack, Actual Friends 07.03.2026 [ab Min. 6:40]).

Daher trifft die derzeitige durch die Kriegshandlungen bedingte Blockade der Meerstraße von Hormuz neben Europa am meisten China. Die USA hingegen sind Erdölexporteure und profitieren daher von der wegen dieser Blockade eintretenden Erhöhung der Erdölpreise (John H. Cochrane, aaO).

It´s (not just) the economy, you stupids from some european governments.

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