Während sich Politicos mithilfe handzahmer Journos rituell zur “Versorgungssicherheit” von fossilen Brennstoffen bekennen, wird auch in Österreich die einzig beobachtbare Lücke, die “Gaslücke”, unbeirrt größer. Per. 2. März liegt sie bei 13,6 TWh oder ca. 1,4 Mrd. m3. Natürlich sind weder der “Energieminister” noch seine Staatssekretärin am ersatzlosen Auslaufen des Gas-Transitvertrags durch die Ukraine schuld, aber mitverantwortlich dafür, dass die auf dem Staatsgebiet befindlichen Speicher mit einem Rückstand von 12 Prozentpunkten in die aktuelle Heizsaison gestartet sind. Eins ist jedenfalls klar: Nicht die Witterung (oder womöglich “Russland”) für die hiesige “Gaslücke” verantwortlich.
Früher wurde im Volksmund die institutionalisierte Ratlosigkeit mit “wenn man nicht mehr weiter weiß, gründet man ‘nen Arbeitskreis” ironisiert,
aber heute müsste ein Endreim auf “Taskforce” gefunden werden
- T. wie in “Taskforce Versorgungssicherheit”.
Das nun beim Wirtschaftsministerium angesiedelte Experten-Panel hat am vergangenen Montag das erste Mal getagt, wonach der Wirtschaftsminister, der auch einen Hut als Energieminister hat, verkündete, dass die Versorgung mit Öl und Gas sicher sei,
was Hattmannsdorfer am Tag danach auch in ein ORF-Mikrofon sagte.
Das ist natürlich hanebüchener Unsinn.
Was das Erdöl betrifft, so ist es korrekt, dass die gesamte EU mengenmäßig nur etwa 20 Prozent ihrer diesbezüglichen Einfuhren aus Golf-Staaten wie Saudiarabien oder dem Irak bezieht, aber vielleicht könnte der Herr Energieminister zur Auffrischung seines Wissens einmal diesen Artikel durchlesen, der erklärt,
dass “Erdöl nicht gleich Erdöl ist” und WTI-Öl und kanadische Teersande wegen unterschiedlicher Molekülketten unterschiedlich viskos sind;
und dass sich “light sweet crude” höchstens als Beimengung zur Produktion von Diesel eignet (z.B. für Trucks, Traktoren, Baumaschinen, Schiffe und Flugzeuge), als Zumischung für schwereres Öl, das
- Trommelwirbel -
aus Russland und dem Arabischen/Persischen Golf kommt (besser: “kam”).
Näher am österreichischen Alltag, speziell im Winter, ist aber das Erdgas, dessen Versorgung ja auch gesichert sein soll.
Da lachen ja die Hühner.
Die Geschichte des Hinausdrängens russischer Öl- und Gas-Anbieter aus dem europäischen Markt wiederhole ich hier nicht,
schließlich kann man sie in etwa einem Dutzend Einträgen in diesem Blog nachlesen.
Der Hattmannsdorfer und die Zehetner spielten bisher im “Bund” der kleinen östlichen Alpenrepublik keine große Rolle
- was sich im Februar vor einem Jahr änderte, als die beiden VP-Politicos das Ministerium übernahmen.
***
Seither sind H. und Z. auch für Erdgas zuständig und haben im Verein mit “Brüssel” dazu beigetragen,
dass die aus Wien regulierten Speicher mit einem beträchtlichen “Handicap” in die neue Heizsaison gegangen sind
(und um Nachfragen zu dieser “Lücke” zuvor zu kommen: Darunter wird hier die Differenz von “gas in storage” bzw. “Füllstand” zwischen heuer und der Vorsaison verstanden,
zunächst ausgedrückt in Terawattstunden und Prozenten. Darüber kann man nur bedingt, etwa hinsichtlich der Richtigkeit von Rechenoperationen debattieren.
Das sind Werte, die man glauben muss/kann, oder eben nicht. Sie werden laufend von den Speicherbetreibern gemeldet und vom AGSI veröffentlicht (ob diese Daten vollständig sind, ist wieder “ein anderes Paar Schuhe”).
Wie dem auch sei,
in diesem Blog wurde mehrfach eine (gesamteuropäische) “Russenlücke” berechnet, die durch das Ausbleiben bzw. die Verminderung der russischen Gaslieferungen über das Jamal-Pipelinesystem laufend seit 2019/2020 entstanden ist (auch das soll hier nicht wiederholt werden).
Davon differiert die Versorgung “österreichischer” (sowie ungarischer und slowakischer) Speicher insofern, als im Süden dieses Pipelinesystems bis Ende 2024 russisches Gas bezogen wurde
(was Teile der hiesigen Öffentlichkeit inklusive des gewesten “EU-Botschafters” moralisch verwerflich fanden, weil “Unterstützung für einen Angriffskrieg”).
Mit dieser Sonderstellung war am 1.1.2025 Schluss,
und seither scheint die “Russenlücke” auch in den Speichern in Österreich Einzug gehalten zu haben. Diese aus Wien regulierten Speicher werden vom nördlichen Nachbarn über dessen Pipelines nun “mit versorgt”.
Dafür können Hattmannsdorfer und Zehetner kaum etwas,
und auch die jetzige Chefin der kleineren Oppositionspartei nur sehr bedingt
- eine Frau, die bis Anfang 2025 “Energieministerin” war (die Rolle der Gewessler während des “Ukraine-Kriegs” wird weiter unten anhand eines E-Control-Charts noch einmal hinterfragt).
Aber für die “Speicherlücke” und die Gas-Beschwichtelei der vergangenen Tage können H. und Z. sehr wohl etwas.
- Erstens lässt sich das milde Wetter der vergangenen zwei Wochen (oder so), das in begünstigten westeuropäischen Staaten eine deutliche Verlangsamung der Füllstands-Rückgänge gebracht hat, nicht so ohne weiteres linear fortschreiben. “Frühjahr” kommt erst in ein paar Monaten.
- Zweitens ist ein “Füllstand” von 21 Prozent in D und 36 Prozent in Ö alles andere als beruhigend. Abgesehen vom oben ausgeführten “Handicap” zu Beginn der Heizperiode mögen diese niedrigen Speicherstände “wintertypisch” sein und müssen nicht unbedingt etwas bedeuten, wenn sich die “Bescheidwisser” ganz sicher sind, dass rechtzeitig “Entsatz” kommt. Diesen Eindruck macht “die Politik” aber eher nicht, sondern den “lauten Pfeifens im Wald”.
- Drittens sind das, was Hattmannsdorfer “österreichische Speicher” nennt, nicht wirklich solche, weil fraglich ist, wie viel von dem “gebunkerten Gas” österreichischen Haushalten und Betrieben (zumindest außerhalb des Großraums Linz) wirklich zugute käme. Der ehemalige oberösterreichische Landespolitiker H. weiß vermutlich sehr genau, dass gut drei Viertel der “transparenten österreichischen Gasreserven” a) wenige Kilometer von der Grenze entfernt, in Griffweite des deutschen Militärs liegen und b) wie viel von den noch vorhandenen 36,1 TWh Gas überhaupt “echten österreichischen Endkunden” gewissermaßen gehört. Die Beantwortung dieser “Gretchenfrage” ist aus den offiziellen Verlautbarungen nicht ersichtlich. SEFE und Uniper können ebenso für “österreichische Kunden” speichern wie die RAG für deutsche. “The answer, my friend, is blowing am Rudolfsplatz.” Die E-Control darf “Haidach” und “Seven Fields” zwar regulieren, wird im Fall des Falles bezüglich der Verwendung des CH4 aber nicht viel mit zu reden haben. Folgend ein Screenshot der AGSI-HP, der zeigt, dass 78 Prozent des in Frage stehenden Gases relativ grenznahe in Oberösterreich und Salzburg gelagert werden (merk’s Wien und Graz!).

In einer solchen Situation von “gesicherter Versorgung” zu reden, ist entweder substanzloses Politico-Gebrabbel, oder der bewusste Versuch Desinformation zu betreiben.
***
Dieser Blogger hat sich die zuletzt vergangene Woche “upgedateten” Gas-Statistiken für die erste Winter-Hälfte in Österreich angeschaut und aus diesen geht klar hervor, dass die auch hier am “Füllstand” ersichtliche “Speicher-Malaise” weder
- an einem besonders erhöhten Inlandsverbrauch
- noch auch an den dramatisch gewachsenen Exporten im Dezember und Jänner liegt, sondern
weitgehend ein “Erbstück” des Vorjahres vor dem (angenommenen) Beginn der hiesigen “Heizsaison” per 1. Dezember 2025 ist.
Doch der Reihe nach.
Gasverbrauch im Jahresabstand nur 6,5% höher
Ausweislich der E-Control-Zahlen zur Gas-Statistk von Dezember 2025 und Jänner 2026 -Jüngeres liegt öffentlich noch nicht vor -, gab es in dieser Periode einen “Inlandsverbrauch” von 24,2 Terawattstunden gegenüber einem Konsum von 22,7 TWh in der Vergleichsperiode des Vorjahres.

Diese Werte decken sich mit anderen vom Regulator publizierten Zahlenreihen, wo man “Abgabe an Gaskraftwerke”, “Abgabe an sonstige Endkunden” und “Netzverluste & Eigenbedarf” (für Erzeugung und Übertragung) addieren kann.

Die Differenz für den genannten Zeitraum beträgt also etwa 1,5 TWh, oder 0,15 Milliarden (150 Mio.) Kubikmeter. Das ist im Jahresabstand eine Steigerung von etwa 6,5 Prozent. Möglich, dass diese Differenz bis Ende Februar 2026 wieder ausgeglichen wurde, aber das ist Spekulation.
Die Daten für das dritte Viertel des laufenden Winters sind noch etwa drei Wochen nicht erhältlich.
Auf das Gesamtjahr bezogen, weist die E-Control für 2025 einen “Inlandsgasverbrauch” von 82,3 TWh aus, ein Wert, der 2021 noch bei mehr als 100 TWh gelegen war.
Gasexporte sind höher, aber auch keine Erklärung für “Speicherlücke”
Der Import-Exportsaldo im Dezember 2025 und Jänner 2026 ist um insgesamt 3,3 TWh höher, das sind etwa 0,34 Mrd. Kubikmeter.
In der “Parlanz” dieses Bloggers entspricht dieser Saldo “Nettoimporten”. Nicht zuletzt aufgrund der verwendeten kontraintuitiven Statistik sind für den Betrachtungszeitraum die “Nettoimporte” jedoch negativ, was positive “Nettoexporte” bedeutet.
Diese “Nettoexporte” fielen in den ersten beiden Wintermonaten 2025/26 um 3,3 TWh höher aus als ein Jahr davor, es wurden “netto” also um 0,34 Mrd. m3 CH4 mehr exportiert.
Eine solche Steigerung in zwei Monaten ist “deutlich”, hier aber nicht “Spiel entscheidend”
Zusammen mit dem wohl “witterungsbedingten” Mehrverbrauch (siehe oben) sind durch diese Mehrexporte von 1. Dezember 2025 bis 31. Jänner 2026 knapp 0,5 Milliarden/500 Millionen Kubikmeter mehr verbraucht worden als in der ersten Hälfte der Vorsaison.
Die sich aktuell auftuende “mysteriöse Speicherlücke” in Österreich ist aber viel größer. Sie beträgt per 31. Jänner 2026 etwa 1,8 Mrd. m3.
Wie den historischen Daten des Aggregated Gas Storage Inventory (AGSI) zu entnehmen ist, wiesen die aus Wien regulierten Gas-Speicher am 31. Jänner 2026 einen Füllstand von 45,5 Prozent aus, was 45,8 TWh entspricht. Ein Jahr vorher gab es noch einen Füllstand von 62,5 Prozent und “Gas in Storage” in Höhe von 63,4 TWh.
Die Differenz entspricht 17,6 Terawattstunden, oder eben 1,8 Mrd. m3,
aber nur knapp 500 Millionen Kubikmeter davon sind durch den wohl witterungsbedingten Mehrverbrauch der ersten zwei Wintermonate und höhere “Nettoexporte” als vor einem Jahr zu erklären.
Ersetzung russischer durch deutsche Importe
Und damit speziell die kleinere (heutige) Oppositionspartei nicht zu sehr “jubelt”, noch ein Chart der E-Control, der die “Bruttoimporte” nach Österreich während der vergangenen fünf Jahre zeigt (der Chart “Import-/Exportsaldo” ist wegen letztlich marginaler Gas-Handelspartner Österreichs leider nicht sehr aussagekräftig).
Der graue Balken sind Importe aus der Slowakei, die natürlich nicht von dort, sondern ziemlich sicher aus Russland stammen. Der gelbe Balken sind die Importe aus D.

Was als E-Control-Chart nicht vorliegt, ist ein Vergleich der Nettoimporte/Import-Export-Salden von SK und D.
Diese können aus den zur Verfügung stehenden Daten aber mühsam gewonnen werden.
Folgend eine selbst gemachte Tabelle, die – hoffentlich richtig übertragen und gerechnet – die Salden bis ins Jahr 2021 zurück verfolgt. Die mit roten Ellipsen hervorgehobenen Werte legen nahe, dass D im vergangenen Jahr die Nettoimporte aus der SK 2024 (von russischem Gas) 1:1 ersetzt hat.
Gut 70 Prozent dieser Nettoimporte 2025 scheinen für den österreichischen Inlandsgasverbrauch verwendet worden sein,
der Rest wurde exportiert (wie schon im Jahr davor, aber vermutlich woanders hin).
Noch einmal zur Erläuterung:
Ab Anfang 2025 sind die “Russenimporte” wg. des “Auslaufens des Transitvertrags” nicht mehr vorhanden, weswegen heute nur mehr ein “kleiner Grenzverkehr” mit der Slowakei verbleibt.
Die Rolle der “Russenimporte” für die Gasversorgung für inländische Haushalte und Betriebe (und vlt. auch der de facto deutschen Speicher in Salzburg) war bis zu diesem Zeitpunkt intakt
(was die “Öffentlichkeit” inkl. des damaligen “EU-Botschafters” tlw. als moralisch verwerflich empfunden hat, siehe u.a. hier).
Augenfällig Scheint aus dem Brutto-Chart aber, dass
- die “Russenimporte” nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs deutlich zurück gegangen sind und
- durch “Importe aus Deutschland” teilweise ersetzt worden sind.
Ob das ein Amtsvergehen oder sogar “Verbrechen” der früheren Energieministerin war, kann dieser Blogger nicht beurteilen. Immerhin waren die Regierung Nehammer und ihre Minister(innen) auf die Verfassung bzw. das Verfassungsgesetz über die immerwährende Neutralität vereidigt.
Dieser Blogger würde es jedenfalls gern sehen, wenn sich ein ordentliches Gericht diese Frage vorlegt,
was freilich auch in diesem Fall eine “Auslieferung” durch den Nationalrat voraussetzen würde.



Comments are closed, but trackbacks and pingbacks are open.