
Auch die Dieseleinfuhren in die Uniaun spielen offenkundig eine nur geringe Rolle – allen gegenteiligen Behauptungen zum Trotz. Sie machten 2024 nur 5,9 Prozent aller Rohölimporte und 10,8 Prozent der Eigenproduktion von Diesel und (faktischem) Kerosin in der EU aus (ich konnte leider nicht alle 2025er-Zahlen finden). Das bei weitem größere Problem als ausfallende russische und nun mittelöstliche Diesel-/Kerosinimporte ist der Mangel an “dieselfähigem Rohöl”, der die hiesigen Raffinerien zur Einschränkung ihrer Treibstoffproduktion zwingt – und nicht etwa “marktgepflegte Preis” von WTI oder Brent, der ja gar nicht so außerordentlich hoch ist.
Die Rechnung ist prinzipiell einfach, erfordert aber eine gewisse minimale Aufmerksamkeitsspanne
(die für Erwachsene vorausgesetzt werden soll).
Ausgangspunkt ist das Jahr 2024, weil dieser Blogger mit seinen geringen Mitteln nicht imstande war, “belastbare Angaben” zu Produktion und Import von Ölprodukten in die EU 2025 zu finden. Hier wird den meist den Angaben von Eurostat gegenüber jenen der EI, Statistical Review 2026 der Vorzug gegeben,
weil sich in der Letzteren an neuralgischen Punkten nur Werte für “Europa” finden, die neben der EU-27 u.a. auch das UK und die Türkei einschließen.
Laut Eurostat hat die EU-27 im Jahr 2024 knapp 461 Millionen Tonnen Rohöl von außerhalb der EU importiert (Eurostat-Speak: “petroleum oils and oils obtained from bituminous minerals, crude”), denen laut einem Erklärstück der Kommission bzw. des Statistikamts selbst zusammen Importe von Diesel und “Kerosene type jet fuel” in Höhe von zusammen 26,7 Mio. Tonnen gegenüberstehen.
Siehe dazu die folgende zwei Screenshots. Der erste entstammt der Eurostat-Datenbank und der zweite einer Tabelle in besagtem “EU-Erklärstück”. Die “rote Beringelung” hat dieser Blogger beigesteuert.
Ein paar Anmerkungen zu letzterer Tabelle:
- Erstens werden nicht nur Mitteldestillate, sondern alle Ölprodukte erfasst, wogegen natürlich nichts einzuwenden ist.
- Zweitens sind die Produktenimporte in “Äquivalenten”, was den Vorteil hat, dass die in Frage stehenden Einfuhren bereits um “Raffineriegewinne” bereinigt sind, was
- drittens einen sauberen Vergleich mit den Rohölimporten ermöglicht.
- Viertens schließlich wird in der Kalkulation wegen der in der Tabelle getroffenen Auswahl auch auf die – quantitativ sowieso marginalen – Importe von “herkömmlichem Kerosin” verzichtet. Dieses wird im Linienverkehr der großen Airlines offenbar sowieso nur mehr wenig verwendet (für ein semantisches Verwirrspielchen reicht’s allemal
)
Damit machten 2024 die Importe von Diesel und “neuem Kerosin” heiße 5,8 Prozent aller Rohölimporte der EU aus.
Bezieht man diese Einfuhren auf den in diesem Jahr in der EU “selbst raffinierten” Diesel sowie den selbst raffinierten “jet fuel” kommen immerhin 10,8 Prozent raus,
siehe den folgenden Eurostat-Screenshot mit den Produktions-Werten aus 2024:
Der Anteil der beiden gewichtigsten Mitteldestillatimporte bezogen auf die Eigenproduktion scheint sich über die Jahre auch nicht groß zu verändern,
egal, ob diese Importe wie 2020 hauptsächlich von den Russen oder wie 2024 hauptsächlich aus dem Arabischen Golf kamen.
Ein Check der Daten von 2020, dem Jahr der Pseudo-Seuche, erbringt eine EU-Eigenproduktion von 215,6 Mio. Tonnen Diesel und 16,4 Mio. Tonnen “Kerosene type jet fuel” (jeweils auf Äquivalent-Basis),
bei 29 Mio. Tonnen Importen von Diesel und faktischem Kerosin.
Ergab zusammen einen Importanteil von 12,5 Prozent
- ein bisserl mehr, aber nicht die Welt.
Resümierend bleibt festzustellen, dass die post Brexit EU vergangenes Jahr 436 Millionen Tonnen Rohöl importiert hat, was knapp 9 Millionen Barrel pro Tag entspricht,
aus denen etwa zur Hälfte Diesel gemacht wird.
Importe spiel(t)en nur eine untergeordnete Rolle,
und das gilt auch für die ständig gehypten (insgesamt) 27,7 Mio. Tonnen Ölprodukte, die 2024 von Indien nach “Europa” geflossen sein sollen (EI, Statistical Review 2025, p. 35).
Sie sollen die Einfuhren aus Russland zum Teil ersetzt haben.
Fast alles Propaganda und Larifari.
“Europa” bzw. die EU haben bisher den Löwenanteil “ihres” Diesels und Kerosins selbst raffiniert,
wozu sie freilich das “richtige Rohöl” benötigen,
das es in Russland und im Arabischen Golf gegeben hat,
jetzt halt nimmer.



Comments are closed, but trackbacks and pingbacks are open.