“Eskalationsfalle Wirtschaftskrieg” – historisch und im Iran

Der in Chicago lehrende Politikwissenschaftler Robert Pape – siehe auch dessen Substack – argumentiert anhand von historischen Fallbeispielen, dass Wirtschaftskrieg, Sanktionen und Seeblockaden keine Alternative zu militärischen Kriegshandlungen seien, sondern deren Vorgänger bzw. “Begleiter”. Sie führten geradewegs in eine größere militärische Auseinandersetzung und lüden, sofern “erfolgreich”, das Ziel geradezu zu einem “lash back” ein – wie jetzt den Iran, der mit Raketen z.B. gegen die Vereinigten Arabischen Emirate “zurückschlagen” könnte.

Oben eingebettet ist ein auf YT abrufbares Pape-Interview von Mario Nawfal, dem Host einer relativ reichweitenstarken Sendung auf x.com, vormals Twitter.

Ausgangspunkt ist die Ankündigung eines totalen Wirtschaftskriegs des US-Imperiums gegen den Iran bzw. gegen dessen Regime,

getätigt von Trumps Finanzminister bzw. dem orangen Mann im Weißen Haus selbst.

Scott Bessent suggerierte vor drei Tagen, dass Teheran mit der “Operation Economic Outcast” der USA, umfassenden, auch “sekundären” Sanktionen, in die Knie gezwungen werden könnte und dass derlei eine Alternative zu einem militärischen Vorgehen sei.

Schon die Formulierungen Bessents waren freilich verräterisch, sprach der US-Finanzminister doch von einem “D Day”,

womit weiland der Tag der alliierten Landung in der Normandie 1944 bezeichnet wurde.

Freilich soll es gemäß Bessent diesmal nur ein “wirtschaftlicher D Day” werden, bei dem die ganze Welt vor die Wahl gestellt werden soll:

Sie oder wir.”

Der Iran reagierte prompt mit einer Gegen-Drohung speziell an die Golfaraber,

indem er erklärte, dass jede (“materielle”) Unterstützung der USA als Kriegshandlung verstanden werde,

“kein Tropfen Öl” mehr durch die Meeresenge von Hormuz gehen werde

und indem – “durch die Blume” – ein weiterer Raketenbeschuss angekündigt wurde.

Pape meint nun mit Verweis auf drei historische Beispiele aus dem 20. und zwei aus dem 21. Jahrhundert, dass ein totaler Wirtschaftskrieg kein Ersatz, sondern nur eine Ergänzung militärischen Vorgehens sei

und dass ein “lash back des targets”, ein verzweifelter Gegenschlag, umso sicherer erfolge, je “erfolgreicher” die ökonomischen Kriegshandlungen seien.

Es gebe historisch kein Beispiel, in dem ein Regime durch ökonomische Kriegsführung allein zum Abdanken gezwungen worden sei

(der Fall der Sowjetunion erforderte eine eigene Diskussion, scheint aber nicht wirklich anwendbar).

Der Reigen von Papes Beispielen beginnt mit der Seeblockade Großbritanniens gegen das kaiserliche Deutschland im Ersten Weltkrieg

und setzt sich mit der Erdöl-Blockade gegen Japan und der Attacke auf Pearl Harbour im Zweiten Weltkrieg fort

(ein Fall, den Pape wie seine Westentasche zu kennen scheint. Der Mann hat zumindest die von den USA erbeuteten Archivbestände des kaserlichen Japan sowie die Sekundärliteratur daüber “im kleinen Finger”).

Der nächste Beispielfall sind die Internationalen Sanktionen nach dem ersten Krieg gegen den Irak, die in den zweiten Irak-Krieg 2003 münden.

In allen diesen Fällen, sagt Pape,

war der Wirtschaftskrieg eine wesentliche Vorbereitung, einen “Sieg” bzw. “regime change” hätten die Verbündeten bzw. die USA aber erst mit militärisch-kinetischer Kriegsführung erzielen können.

Realhistorisch “noch offen” sind Papes jüngste Beispiele:

der Iran selbst, der seit der Revolution 1979 (bzw. ein paar Jahre danach) bis heute “sanktioniert wird” und

Russland seit 2022 (“Ukraine-Krieg”).

Sowohl in dem einen wie im anderen Fall laufe nun alles auf einen militärischen Konflikt hinaus

(wobei dieser nicht zwingend in einen Einsatz von “menschlichen Bodentruppen” münden muss).

Verbleibt zuletzt nur mehr der obligatorische “Senf”, den dieser Blogger dazu abzugeben hat, nämlich:

In den “beiden noch offenen aktuellen Beispielfällen” scheinen,

erstens, die weiteren “Erfolgsfaktoren” von WK I, WK II und Irak-Kieg II nicht gegeben zu sein und

zweitens spielen aktuell am Arabischen Golf historisch beispiellose Dynamiken mit, die mit dem Petrodollar, dem damit verzahnten, weltweiten Fiat-Dollar-Imperium,

der essenziellen Bedeutung von Erdöl für alle Gesellschaften und die Globalisierung, sowie mit “Peak Oil” zu tun haben.

So plausibel die historischen Beispielfälle des Professors auch sein mögen

- letztgenannte Vektoren hat er “nicht auf dem Schirm”.

Unabhängiger Journalist

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