Das Autorenteam des heuer zum 20. Mal erschienenen Goldreports erwartet keine Renaissance konventionell goldgedeckter Währungen bzw. von Goldmünzen als Zahlungsmittel, erklärte Mark Valek, Co-Autor des Berichts und Fondsmanager bei Incrementum. Valek und Stöferle sehen eine andere Form der Monetarisierung von Gold, die praktisch ausschließlich auf die Wert-Aufbewahrungsfunktion heutiger Goldanlagen bzw. der Funktion von “Finanzgold” für Notenbanken und Private abhebt.
Tendenzen zur Renaissance von physischem Gold als Zahlungsmittel für Handels-Transaktionen wurden in der IGWT-PK nicht erwähnt (und scheinen real auch nicht stattzufinden, im Gegenteil). Konkret wurden von Stöferle und Valek “6 Vektoren der Remonetarisierung” angeführt:
- Erstens ein Bedeutungsgewinn von als “Gold” verbuchten Assets in den Bilanzen der Zentralbanken (was primär mit der Steigerung des Goldpreises v.a. im Jahr 2025 zu tun haben dürfte).
- Zweitens eine beginnende private bzw. institutionelle Nachfrage.
- Drittens neue begünstigende Regeln zur Bilanzierung und Rekapitalisierung.
- Viertens die aktuelle Tendenz zur Gold-Deckung von Bonds.
- Fünftens die zunehmende Bereitschaft auch “klassisch-westlicher” Zentralbanken zum Erwerb von Goldanlagen und
- sechstens “Digitalisierung” und “Tokenisierung”, die (angebliches) Gold leichter handelbar machen.
In diesem Zusammenhang wird die manchmal vertetene These von einer Konkurrenz von Bitcoin/Kryptos und Edelmetallen zurück gewiesen und stattdessen eine gleich gerichtete Wirkung gesehen, etwa über die 4,5-prozentige Gold-Deckung des “Stablecoins” von Tether, die schon bisher die Nachfragewirkung einer Zentralbank im Mittelfeld verursacht haben soll.
Generell sehen die Lead-Autoren des Goldreports den Goldpreis als eine Funktion der Nachfrage nach dem, was in den heutigen Notenbankenbilanzen als “Gold und Goldforderungen” bezeichnet wird
(eine Definition, die nicht alle teilen. Ausweislich einschlägiger IWF-Bilanzierungsregeln dürfen, wie gesagt, auch die “Forderungen” an Gegenparteien in der nämlichen Bilanzzeile verbucht werden, was zur Frage des Verhältnisses von physischen Goldbeständen und “Papiergold” führt.)
Selbstredend wurden von Valek & Stöferle auch geopolitische Faktoren, wie das sich abzeichnende Ende der “Pax Americana”, die BRICS oder die Kriege in der Ukraine und am Arabischen/Persischen Golf angeführt, die sich im Wesentlichen in den Anleihemärkten, besonders bei den (“ungedeckten”) US-Treasuries niederschlagen dürften.
Nach wie vor befinde sich Gold in einem “Bullen-, aber keinem Bubble-Markt”, meinte der frühere Erstebank-Analyst Stöferle, der einerseits begründete, warum seiner Ansicht nach der Goldpreis kaum auf den Kriegsbeginn um die Straße von Hormuz reagiert hat, der andererseits aber meinte, dass pro futuro ein Ende dieses Kriegs den Goldpreis befeuern könnte.
Empfohlen werden von Incrementum ähnlich wie im vergangenen Jahr Rohstoffe, Silber (“Performance-Gold”) und Minenaktien, wobei speziell die beiden Letzteren bereits in den vergangenen 12 Monaten gut performt hätten. Dennoch seien z.B. Minenaktien noch immer vergleichsweise billig, wenn man sie mit dem allgemeinen Aktienmarkt vergleicht (KGV von unter 20).
Kurzfristig könne es bei steigenden Renditen und einem andauernden Krieg am Golf zu “Rücksetzern” kommen, langfristig sprächen aber die “fundamentals” für Edelmetalle.
An ihren vor Jahren ausgegebenen Preiszielen halten die Incrementum-Manager fest
- obwohl der Goldpreis aktuell das “Inflations-Szenario” der Prognose (2026) bereits übertrifft. Für das errechnete “Basis-Szenario” wird “konservativ” weiter von einem Unzenpreis von mehr als 8.900 USD bis Ende 2030 ausgegangen.
Unter diesem Link sind die englischsprachigen Versionen des aktuellen Reports herunterzuladen, auch anders- (deutschsprachige) Versionen sind als Kompakt- und Vollausgabe (als File) kostenfrei erhältlich.
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