USA & Öl: 2 fragwürdige Annahmen

Der venezolanische Diktator und ein US-College-Professor behaupten Dinge, die in der Vergangenheit in unterschiedlichem Ausmaß zutreffend gewesen sein mögen, die heute aber wenigstens fragwürdig sind: dass sich a) die USA nämlich die Ressourçen Venezuelas unter den Nagel reißen wollten und b) dass diese per se am Fließen des nahöstlichen – besser: golfarabischen – Erdöls interessiert seien und dass sie deswegen einen Krieg gegen den Iran führen würden. Ein paar Anmerkungen.

Beispielhaft für die erste Perspektive soll folgende Agenturmeldung in der Version einer spanischen Zeitung stehen:

Maduro acusa a EEUU de querer apoderarse de su petróleo

Nun, würde dieser Blogger in Maduros Schuhen stecken, würde er derlei auch behauipten

- es gibt auf der ganzen Welt aber wohl niemanden, der besser weiß als der venezolanische Präsident selbst, dass der mythische Ölreichtum seines Landes zu einem hohen Prozentsatz aus Papier-Barrels und Naturasphalt im Orinoco-Gürtel besteht.

Es ist – vor allem für Spanisch-Lesende -  mittlerweile offensichtlich, dass das extraschwere Öl des venezolanischen Ostens die Transport- und Produktionsinfrastruktur dieses Landes kannibalisiert & zerstört – unerbittlich und Tag für Tag.

Die USA tragen dazu zweifellos ein Scherflein bei, indem sie z.B. den Import von Verflüssigungsmitteln unterbinden um dadurch den Niedergang des Regimes zu beschleunigen

- sie sind aber nicht wirklich der “Erstverursacher”, und ihr Appetit, in diesem Wespennest militärisch zu intervenieren, hällt sich offenkundig in Grenzen.

Auch die US-Konzerne dürften den vor Ort verbliebenen Öl-Bodensatz nicht eben als heißen Preis sehen.

Die Vereinigten Staaten selbst (inkl. Kanada) haben jede Menge eigenes schweres Öl sowie Abermillionen Fass leichtes aus ihrer “Shale-Revolution” (Öl selbst z..B. aus Permian und Eagleford sowie NGL aus shale natural gas).

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Etwas ernster sind Michael T. Klares Einlassungen auf TomDispatch zu nehmen, It’s Always the Oil.

In diesem Blog-Post erläutert Klare, der buchstäblich seit Jahrzehnten über imperialistische Ölpolitik schreibt, dass die “freie Schiffahrt”, die Straße von Hormus und der “internationale Ölmarkt” im vergangenen halben Jahrhundert Zentralstücke des US-amerikanischen Imperiums gewesen sind.

Der Autor verschweigt nicht einmal, dass die USA heute nicht mehr auf die Versorgung mit Erdöl aus dem Arabischen Golf angewiesen sind.

Bis zu dieser Stelle gibt es nichts einzuwenden – außer vielleicht zu ergänzen, dass K. dieses Thema wirklich lange und tief studiert hat.

Ein Problem ist aber, dass Klare annimmt, dass das Modell des ölgetriebenen Dollar-Imperiums auch heute und pro futuro gilt.

Hier bestehen bei diesem Blogger Zweifel.

Aus seiner Warte überwiegen mittlerweile die Anzeichen, dass Donald Trump aus einem durchaus nachvollziehbarem Kalkül diese Rolle ablegen will und dass Washington weder für die Saudis, noch für die Israelis noch für Europäer oder (nicht-chinesische) Asiaten gegen den Iran kämpfen möchte..

Unabhängiger Journalist

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