Das Diesel-Problem in den USA

Im unten eingebundenen YT werden aktuelle Dinge behauptet, die dieser Blogger mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln ( = Internet) nicht verifizieren konnte, beispielsweise eine mit einem Notstand begründete Freigabe von 50 Mio. Barrel Crude aus der “SPR” der USA, deren angebliche Zurückweisung durch US-Kunden (Raffinerien) wg. zu geringer “Viskosität” oder die angeblich aus Ottawa verfügte Einstellung der Schwerölexporte in die USA.

Dieser Blogger hat auch keine besonders “frischen Infos” zum Stand des Handels- bzw. Zollstreits zwischen CA und den USA und keine “belastbare” Einschätzung der Stärke des Sezessionismus in Alberta – Faktoren, die man zur Einordnung dieser Story eigentlich einschätzen können sollte.

Er hält die dabei erzählten Schilderungen der “Schwierigkeiten”, in denen sich die großen US-Raffinerien befinden, jedoch für weitgehend korrekt. Vereinfacht formuliert: Öl ist eben nicht einfach Öl und das derzeit noch im Überfluss vorhandene leichte shale oil kann allein kaum oder gar nicht zur Herstellung von Diesel, dem “life blood” auch des US-Systems verwendet werden.

Um Schieferöl zu Diesel zu verarbeiten, braucht es eine etwa gleich große Beimengung von schwerem Öl,

das via Pipeline zuletzt aus Kanada/Alberta kam und noch früher aus Mexiko und Venezuela (das ist aktuell noch bzw. wieder der Fall, aber in geringer werdenden Mengen aus Mexiko und erst seit kurzem wieder aus VZ – alles “nicht nachhaltig”).

In den USA ist der Diesel-Anteil im PkW-Bestand zwar deutlich geringer als in “Europa”, aber ohne Mitteldestillate wie Agardiesel, Kerosin und Treibstoff für Trucks oder schwere Dieselmotoren in Neubau und für Instandhaltung/Reparatur geht auch “drüben” gar nichts. Laut EIA machen diese Destillate – inklusive “Kerosine Type Jet-Fuel” - gut ein Drittel der in den USA verkauften Ölprodukte aus (164 mmbd)

(ob “Jet-Fuel” einzig aus Shale gewonnen werden kann, entzieht sich, ehrlich gesagt, meiner Kenntnis; unklar ist mir auch der geeignete Treibstoff für militärische gepanzerte Fahrzeuge).

Wo ich der Geschichte von “Borderline Economics” eher nicht folge, ist

  • die Erzählung von den historischen Fehlinvestitionen der großen US-Raffinerien quasi am Vorabend der dortigen Shale-Revolution (selbst wenn man diese voraussagen hätte können, ließe sich aus den kurzen Molekülketten von “LTO” noch immer kein Diesel machen).
  • Das im YT erwähnte Tankschiff nach China ist auch bloß “Symbolpolitik” – wenigstens so lange in Kanada keine entsprechende Leitung von Alberta an die Westküste vorhanden ist. Die geplante Bitumen-Pipeline nach British Columbia scheint aus heutiger Sicht eine ähnliche Gaukelei zu sein wie die geplante “Power of Siberia 2″. Bezweifeln darf man auch,
  • dass die “teapot refineries” in Shandong nachhaltig mehr vermögen als die großen US-Raffinerien. OK, “mixen” mögen auch diese können,
  • die Mengen von Naturbitumen, die ein hypothetisches “Alberta mit Pipeline an die Westküste” aufbieten könnte, sind möglicherweise aber ohnedies nur ein “Tropfen auf dem heißen Stein” (von der militärischen Drohkulisse beim südlichen Nachbarn abgesehen, sind die Pipelines in den US-Mittelwesten und zur Golfküste dagegen bereits gebaut und funktionstüchtig; um vom LTO-Part gar nicht erst anzufangen. Wo, bitte, soll das Leichtöl für die “teapot refineries” herkommen? Aus den USA? Glaubt wer im Ernst, dass Washington oder Austin “ewig zuschauen werden”, wenn in den USA gefracktes Crude nach China geschippert wird?)

Kurz: Die US-Raffinerien sitzen in der Tinte, wenngleich nicht wegen eigener Fehl-Investitionen, sondern letztlich wg. Naturgesetzen.

Die chinesischen Raffinerien sitzen auch in der Tinte, weil allfällige aktuelle “Handelsprofite” aus dem Zollstreit zwischen USA und Kanada keine längerfristig tragfähige Basis bieten, aber

am tiefsten sitzen die europäischen Raffinerien in der Tinte, weil ihnen ihre regiernden Blödmänner russisches Erdöl verboten und stattdessen nicht dieselfähiges anderweitiges Rohöl “empfohlen” haben.

Unabhängiger Journalist

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