Das Ende der Integrations-Saga

cover_wiesingerEine österreichische Lehrerin hat beschrieben, wie “der Islam die Schulen verändert”. Ihr Text dokumentiert das Scheitern des Wunschtraums vom Generationen übergreifenden Hineinwachsen Fremder in eine “säkuläre westeuropäische Gesellschaft”. In Wien-Favoriten (und nicht nur dort) haben der Politische Islam und der archaische Tribalismus Zugewanderter über eine post-christliche, entsipplichte (bisherige) Mehrheitsgesellschaft gesiegt.

“Ich war lange Zeit der Ansicht, die hier geborenen und aufgewachsenen Kinder würden sich leichter in Österreich zurechtfinden. Ich dachte, die Integration würde sich von Generation zu Generation verbessern. Ich war überzeugt, der Einfluss des Islam würde mit der Zeit abnehmen. Dieser Meinung bin ich heute nicht mehr.”

“Als Sozialdemokratin war ich jahrelang davon überzeugt gewesen, dass Integration in jedem Fall gelingen müsste. Es braucht nur genügend Ressourcen und die Akzeptanz der österreichischen Mehrheitsgesellschaft. Diese Einschätzung teile ich heute nicht mehr.”

Susanne Wiesinger, die Autorin des soeben erschienenen Kulturkampf im Klassenzimmer, ist eine dem Bürgertum entstammende Wiener Lehrerin, die sich bisher am linken Flügel der SPÖ verortet hat; eine Mittfünfzigerin, die von den intellektuellen Strömungen und Moden der Zeit nach 1968 geprägt worden ist:

etwa von “marxistoider” Reformpädagogik, Feminismus und sozialdemokratischer Staatsverliebtheit (sowie einer kräftigen Dosis Antiklerikalismus und Freidenkerei natürlich).

Diese Frau, die zuletzt an sogenannten Brennpunktschulen des 10. Wiener Gemeindebezirks unterrichtet hat, stellt heute fest:

Mit normalem Unterricht hat das, was wir dort anbieten können, kaum noch etwas zu tun. Ob Biologie, Deutsch, Musik, Zeichnen, Turnen, Schwimmen oder Geschichte: Die islamischen Gebote und Verbote, gepaart mit desolaten Deutschkenntnissen, haben den Lehrplan für Volks- und Mittelschulen, die mit diesen Herausforderungen konfrontiert sind, de facto abgeschafft (…)

Das Leistungsniveau war früher in mancher Sonderschule besser als heute in einigen Wiener Brennpunktschulen. Viele Schüler steigen trotzdem auf, ohne das nötige Wissen zu haben. Wir mogeln uns um ein ‘Nicht genügend’ sehr effektiv herum.”

Ungläubige, womöglich junge, nicht-verheiratete und kinderlose Lehrerinnen würden von vielen Schülern und deren Eltern nicht akzeptiert.

Das Problem mit der Disziplin fange jedenfalls bereits im Volksschulalter an.

(Ich weiß), wie sie sich in der Moschee verhalten müssen: immer ganz ruhig und leise. Reden darf nur, wer angesprochen wird, In der Schule zeigen sie ihren anderen Charakter. Wir erleben die wilde, unkontrollierte und teils sehr respektlose Seite. Bei uns lassen sie die Sau raus.”

In der Pubertät wüchsen viele Buben zu aggressiven Kampfsportlern mit Macho-Allüren heran, während bis dahin lebenslustige, manchmal begabte Mädchen verstummten und unter einem Kopftuch verschwänden, das ihnen von Familie und konservativem Klerus aufgezwungen werde, meint Wiesinger, die jahrelang oberste Lehrer-Personalvertreterin des Bezirks war.

Manchmal würden während der Schulferien und im Ausland Mädchen beschnitten, was aber nicht zur Anzeige gebracht werden könne, weil die Opfer nicht bereit seien, gegen Familienangehörige auszusagen.

In Österreich würden die Mädchen auch außerhalb ihrer Familie überwacht, ob sie sich muslimisch anzögen (“Kleiderpolizei”) – und noch in Teenager-Jahren mit ihnen unbekannten Glaubensbrüdern”zwangsverheiratet”.

Verweigerten die Mädchen das und wollten etwa einen Christen heiraten oder gar einen sonstwie verwerflichen westlichen Lebensstil führen, “müsse” deren Familie sie töten, wie das eine von Wiesingers Schülerinnen einmal formuliert hat.

Geld vom Staat würde zwar genommen, aber nur als Kinderbeihilfe, Mindestsicherung etc. – kaum jedoch in Form von kostenlos angebotenem Förderunterricht.

Die Kinder gehen lieber zur angebotenen Nachhilfe in die Moschee.”

In einem Klima der religiös motivierten Ablehnung des säkulären Staats und begünstigt durch eine lokal entstandene Parallelgesellschaft entwickelten auch viele Jugendliche eine “ablehnende und aggressive Haltung” gegen die westliche Gesellschaftsordnung.

Das schlage sich manchmal in einer offenen Parteinahme für islamistische Terrorattentäter nieder – auch wenn die Kinder womöglich schon in der dritten Generation hier lebten.

Integration ist zur Einbahnstraße geworden, in vielen Fällen womöglich gar zur Sackgasse. Was viele Linke noch immer nicht wahrhaben wollen, ist längst gelebte Realität. Es findet kein Miteinander mehr statt, wenn überhaupt nur noch ein Nebeneinander. Aufseiten vieler Muslime ist es ein ablehnendes Nebeneinander, basierend auf der Überzeugung einer religiösen Überlegenheit.”

Von der sozialdemokratisch dominierten Wiener Hierarchie und der personell damit verflochtenen Gewerkschaft gebe es nur wenig Unterstützung, sagt Wiesinger.

Dort dominiere – besonders stark seit dem Beginn der ÖVP/FPÖ-Bundesregierung – die Sorge, dem politischen Gegner auf der Rechten in die Hände zu spielen.

Von Vorgesetzen und Kollegen würden “Probleme mit Kindern oder Eltern” gerne individuellem pädagogischem Versagen zugeschrieben (“Bei uns ist alles in bester Ordnung”).

Über parteipolitisch gebundene Gewerkschaftskreise hinaus sei man in ihrer privaten Bezugsgruppe auch schnell dabei, Kritik an den Zuständen als fremdenfeindlich und rassistisch zu brandmarken, und das sei auch der Grund, warum sie, Wiesinger, so lange den Mund gehalten habe

- nicht so sehr wegen “echter Maulkörbe” oder mehr oder minder subtilem Druck von oben, nicht an die Öffentlichkeit zu gehen:

Die Amtsverschweigenheit schob ich ehrlich gesagt nur vor. Der Hauptgrund war die Sorge, in die Nähe von rechtskonservativen Parteien gerückt zu werden. Einerseits entspricht das nicht meiner politischen Haltung. Andererseits könnte das zusätzliche Isolation im beruflichen wie im privaten Leben bedeuten.”

***

Obwohl die Bücher in Stil und Unmittelbarkeit durchaus unterschiedlich sind, decken sich die Hauptbefunde Wiesingers mit dem, was Ingrid Freimuth über die Verhältnisse im großstädtischen Nordrhein-Westfalen berichtet (“Lehrer über dem Limit. Warum die Integration scheitert”).

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Wie Wiesinger ist Freimuth eine ursprünglich linke Post-68erin, “nur” 20 Jahre älter.

Und wie Wiesinger geht auch der Deutschen muslimischer machismo und Patriarchalismus “tierisch auf die Nerven”.

Freimuth glaubt, dass die Integration anders sozialisierter Ethnien schon daran scheitere, dass diese sich an rigiden Rangordnungen orientierten und eine allzu hilfreiche, ja bedingungslos ausgestreckte staatliche Hand als Demutsgeste aufgefasst werde, was zu Grenzüberschreitungen etc. geradezu einlade.

Zuviel staatliche Förderung trainiere (nicht nur) den Kindern Initiative und eigenverantwortliches Handeln geradezu ab.

Deshalb müsse Schluss sein mit der “Kuschelpädagogik”.

Echte Sanktionen für Regelverstöße müssten her – und zwar dort, wo diese wirklich schmerzten, etwa bei diversen öffentlichen Geldern (etwas, wofür übrigens auch Wiesinger plädiert, ungefähr nach dem Motto: Zu oft Schuleschwänzen = Abzüge vom monatlichen Kindergeld, etc).

Susanne Wiesinger, Kulturkampf im Klassenzimmer. Wie der Islam die Schulen verändert. Bericht einer Lehrerin, 24,90 Euro, erschienen in der Edition QVV.

Unabhängiger Journalist

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