Seit 28. Februar 2026 kämpft die US-Luftwaffe an der Seite der israelischen Luftwaffe im Iran gegen militärische Einrichtungen und die Revolutionsgarden und liquidiert Angehörige der Führungsriege des schiitischen Mullah-Regimes.
Ein solcher Krieg ist mit Unwägbarkeiten verbunden und läßt sich nicht genau planen und nicht nach einem bestimmten Zeitplan führen. Nach nunmehr fünf Wochen dieser Militäroperation stellt sich aber zusehends die Frage nach einem Konzept. Von Dr.Dr. Heinz-Dietmar Schimanko
Die US-Regierung wurde im Jänner 2026 zu Hilfe gerufen, nachdem das faschistisch-fundamentalistische Mullah-Regime im Iran mehr als 30.000 Protestierende dahingemetzelt hatte. Wie viele ihrer Landsleute hat die Exil-Iranerin Rita Panahi, bekannte Journalistin bei Sky News Australia, die mit einem israelisch-amerikanischen Luftangriff durchgeführte Liquidierung des Obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei bejubelt und gewürdigt, daß Präsident Trump diese Militäroperation in einem Jahr mit Wahlen zum US-Kongress durchführen läßt, obwohl sie bei einem großen Teil der US-Bevölkerung unpopulär ist (Rita Panahy, ‘The dictator is dead’: Rita Panahi issues scathing rebuke of Khamenei’s regime, SkyNews Australia 01.03.2026).
Innere Angelegenheiten und Bedrohung nach außen
Diese inneren Angelegenheiten des Iran sehen aber viele trotz der brutalen Härte des Mullah-Regimes gegen die eigene Bevölkerung nicht als ausreichenden Grund für diesen neuen Golf-Krieg an. (Wobei davon ausgegangen werden kann, daß die US-Regierung mit diesem Krieg auch wirtschaftliche Gründe verfolgt.) Manche stellen überhaupt den Sinn dieser Militäroperation in Frage und vermuten, daß der Iran dazu keinen militärischen Anlaß gegeben habe, von ihm also keine militärische Bedrohung für andere Staaten ausgehe.
Sie fühlen sich erinnert an den Zweiten Irak-Krieg (Dritten Golf-Krieg) im Jahr 2003, wofür von der US-Regierung unter Präsident George W. Bush und der britischen Regierung mit Premierminister Toni Blair angebliche Massenvernichtungswaffen des damals von Diktator Saddam Hussein geführten Irak als Rechtfertigung gegeben wurden. Solche Massenvernichtungswaffen wurden aber nicht gefunden.
Der humanistische Aspekt
Dabei sollte nicht vergessen werden, daß das Mullah-Regime des Iran drei Terrororganisationen unterstützt, die Hamas im Gaza-Streifen, die Hizbollah im Südlibanon und die Houthis im Jemen. Soweit wirkt es auch im Ausland auf extrem schädliche Weise. Ob interne Gräueltaten des Mullah-Regimes gegen seine eigene Bevölkerung oder Bevölkerungsgruppen das Eingreifen einer ausländischen Macht rechtfertigen, kann man lang und breit diskutieren. So hatte übrigens auch das Regime des Saddam Hussein im Irak Massenmord gegen Schiiten, Kurden und anderen Minderheiten in der Bevölkerung begangen. Ein Vorgehen gegen das Mullah-Regime ist jedenfalls auch eine Aktion für humanistische Grundsätze.
Handlungsbedarf
Contrafaktisch gedacht, wäre es aus der Sicht Israels und der USA nicht angebracht gewesen, nach den Angriffen auf den Iran mit der israelischen Militäroperation Rising Lion, dem Zwölf-Tage Krieg vom 12. bis 24 Juni 2025, und der anschließenden US-Militäroperation Midnight Hammer vom 22. Juni 2025 untätig zu bleiben und das fundamentalistische Mullah-Regime des Iran nicht daran zu hindern, seine Abwehranlagen wieder aufzubauen, ein Arsenal mit militärischen Raketen und Drohnen – mit vorwiegend Bestandteilen aus chinesischer Produktion – aufzubauen und sein Nuklearwaffenprogramm wiederaufzunehmen, das es nicht aufgegeben hatte (Niall Ferguson, Did Trump Miscalculate on Iran?, Interview von Aaron MacLean mit Niall Ferguson, School of War Podcast und The Free Press 20.02.2026 [ab Min. 31:30]).
Auch die frühere US-Außenministerin Condoleezza Rice bestätigt, daß der Iran-Krieg erforderlich ist, um vom Mullah-Regime ausgehende militärische Bedrohungen zu beseitigen (Dire Straits: Condoleezza Rice on The War with Iran, Hoover Institution 12.03.2026 [ab Min. 2:45 und Min. 22:50]).
“The US has to think globally, Israel does not.”
Im Unterschied zu Israel muß die US-Regierung geopolitisch denken, meint Ferguson und nimmt mit großer Sicherheit an, daß US-Präsident Trump und seine Berater das Thema des Schiffsverkehrs in der Meerstraße von Hormuz vor dem jetzigen militärischen Angriff auf den Iran erörtert haben, weil das zu den Basisaufgaben bei der Vorbereitung solcher Angriffe gehört. Er vermutet aber, daß sie die Möglichkeiten des Mullah-Regimes unterschätzt haben, die Straße von Hormuz, durch die rund 20% des weltweit benötigten Erdöls transportiert wird, zu blockieren (Ferguson, aaO [ab Min. 33:40 und 36:25]).
Jillian Michaels erklärt, daß mehrere Faktoren sehr ungünstig dagegen wirken, Schiffe, insbesondere Tankerschiffe wirksam in der Straße von Hormuz vor iranischen Angriffen zu schützen. Die geografische Lage ist so, daß die Nordküste der Straße von Hormuz, die zur Gänze iranisches Gebiet ist, eine zerklüftete Berglandschaft mit vielen militärischen Felsenbunkern ist. Die Straße von Hormuz ist an der engsten Stelle nur 38km breit, wovon aber nur eine Breite von rund 10,8km schiffbar ist, davon jeweils ein Bereich von 3,6km in jede Richtung mit einem dazwischen liegenden Pufferbereich von ebenfalls 3,6km.
Dadurch bleibt bei einem Raketenangriff nur sehr wenig Reaktionszeit, und iranisches Militär kann von seinen Stellungen im iranischen Küstenbereich aus zugleich eine so große Anzahl an Raketen oder Drohnen auf ein Schiff abfeuern, daß die Abwehrkapazität von begleitenden Fregatten oder Kreuzern überschritten ist. Dabei ist zu berücksichtigen, daß ein Tankschiff wegen seiner Größe und Schwerfälligkeit ein einfaches Ziel abgibt (Why Doesn’t the World’s Most Powerful Military Just Seize the Strait of Hormuz?, Jillian Michaels 01.04.2026).
Obwohl die US-Streitkräfte im Iran-Krieg bislang 120 iranische Kriegsschiffe versenkt haben, können sie ohne den Einsatz von Bodenkräften den Schiffsverkehr in der Straße von Hormuz nicht schützen. Außerdem hat die iranische Marine noch eine große Anzahl an kleinen Schnellbooten, mit denen sie im Nahbereich Raketenangriffe durchführen kann (Why the A-10 Warthog Solved What the US Navy Couldn’t at Hormuz, Navy Decoded 26.03.2026).
Iran nicht wie Venezuela
In Venezuela war es für die US-Regierung vergleichsweise einfach, im Jänner 2026 die Kontrolle zu übernehmen. Sie schalteten mit ihrer Luftwaffe die venezolanische Luftabwehr aus und entführten mit einer Kommandoaktion den Präsidenten Nicolás Maduro. Mit dem Szenario möglicher weiterer Militäraktionen kontrollieren sie die nunmehr von der bisherigen Vizepräsidentin Delcy Rodriguez geführte Regierung Venezuelas.
Einige in der US-Regierung dachten sichtlich, daß dieser modus operandi auch im Iran möglich sein wird (Ferguson, aaO [ab Min. 35:10]). Entgegen der Annahme einzelner US-Akteure wird das aber im Iran nicht zu bewerkstelligen sein. Die Fundamentalisten des Mullah-Regimes sind fanatischer und härter in der Auseinandersetzung und in ihrer Feindschaft zu den USA und denken in Dimensionen wie religiöser Sendung und shiitischem Märtyrertum (vgl. Condoleezza Rice, aaO [ab Min. 08:00], die von einer messianischen Pflicht der schiitischen Fundamentalisten spricht, die islamische Revolution auch außerhalb des Iran durchzuführen).
Es ist vermutlich auch diese Fehlkalkulation, die zur Fehleinschätzung geführt hat,der Iran-Krieg könne in einigen Wochen beendet sein.
Wie ein Tausch Hitler gegen Himmler
Wenn etwa jemand gemeint hatte, man könnte den – zwischenzeitig bei einem israelischen Luftangriff liquidierten – ehemaligen Parlamentspräsidenten Irans und Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats Ali Larijani zum neuen iranischen Staatschef machen, der direkt den USA berichtet und die Regierungstätigkeit des Iran mit den USA abstimmt, dann war das illusorisch (siehe Ferguson, aaO [ab Min. 38:00]).
Ferguson vergleicht, daß das wäre, als hätten die USA damals geplant, Hitler zu liquidieren und stattdessen Himmler als US-hörigen Regierungschef Deutschlands einzusetzen, wobei zu berücksichtigen ist, daß Larijani ebenso wie Himmler im Blut seiner Opfer stand. Er geht vielmehr davon aus, daß das Mullah-Regime und seine Anhänger wie das Hitler-Regime bis zum bitteren Ende kämpft (Ferguson, aaO [ab Min. 41:25]). Demnach ist nicht damit zu rechnen, daß das Mullah-Regime die weiße Flagge schwenken wird.
Lufthoheit allein nicht ausreichend
Die Lufthoheit über dem Iran scheint das US-Militär errungen zu haben. Ein Anzeichen dafür scheint tatsächlich zu sein, daß die US-Luftwaffe nun im Iran mit fünfzig Jahre alten Thunderbolt-Erdkampfflugzeugen und alten Apache-Helikoptern operieren kann (“Hunt and Kill”: US deploys attack aircraft to confront Iranian boats, Fox News 20.03.2026).
Aber auf einem – zum Teil zerklüfteten und entsprechend unübersichtlichen – Areal mit einer Gesamtfläche von mehr als 1,6 Millionen Quadratkilometern kann man auch mit Lufthoheit nicht verhindern, daß aus einzelnen Bunkern und militärisch eingerichteten Bergstollen vereinzelt Raketen oder Drohnen abgefeuert werden, und daß mit mobilen Luftabwehrgeräten einzelne Flugzeuge abgeschossen werden. Es gibt auch insofern keinen Kriegseinsatz ohne Verluste.
Jedenfalls ist es sehr schwierig, einen Umsturz (“Regime-Change”) im Iran aus der Luft herbeizuführen (Dire Straits: Condoleezza Rice on The War with Iran, Hoover Institution 12.03.2026 [ab Min 5:00]). Als sinnvollste Maßnahme, um einen Regimewechsel im Iran zu bewirken, erscheint die Bewaffnung und Unterstützung einzelner ethnischer Gruppen, insbesondere der Kurden, Belutschen und Azeris (Prof. Michael Wolffsohn, Die ganze westliche Welt hatte sich mit dem Mullah-Regime abgefunden, Interview von Ralf Schuler mit Prof. Michael Wolffsohn, NiUS 06.03.2026 [Min. 05:40 u. 12:15]; skeptisch Condoleezza Rice aaO [ab Min. 8:00]).
Erfolgsbilanz nur 3 : 3
Die USA haben bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts drei Diktaturen beendet, im Zweiten Weltkrieg das Hitler-Regime sowie des imperialistische japanische Regime und im Zweiten Irak-Krieg die Tyrannei des Saddam Hussein (Ferguson aaO [ab Min. 43:30]). Sie sind aber damit gescheitert, die Diktaturen in Nordkorea, Kuba und Nordvietnam zu beenden. Das Bombardement von Hanoi hat nicht ausgereicht, um zu gewinnen. So wird es wohl auch beim Iran-Krieg sein.
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