Die USA, deren Präsident der Ansicht ist, dass die Iraner verstört sind, wenn sie keine Detonationen US-amerikanischer und israelischer Bomben hören, bewirken paradoxerweise die faktische Stabilisierung des von ihnen scheinbar so bekämpften “Mullah-Regimes” und glauben womöglich, dass die “Normalisierung der außenpolitischen Beziehungen” mit Venezuela während der vergangenen drei Monate ein nachahmenswertes Modell auch für anderswo bieten könnte. Das ist eine groteske Fehl-Charakterisierung der Situation. Wenn es eine Gemeinsamkeit vom Iran und Venezuela gibt, besteht diese in einem weit verbreiteten “Anti-Gringoismo“, der im Mittleren Osten durch die Religion und das Agieren Israels eine besondere Note bekommt. Der größte Unterschied ist dagegen, dass Venezuela in der von den USA selbst definierten “westlichen Hemisphäre” liegt, der Iran aber nicht.
Wäre man Akademiker und mit einem “sicheren Job”und relativ viel Zeit versehen (und im permanenten Legitimations-Notstand), ließen sich wohl Hunderte Unterschiede zwischen Venezuela und dem Iran auflisten,
dieser Blogger istund hat aber nichts dergleichen, weswegen hier ein paar nicht sauber zitierte/verlinkte Punkte reichen müssen.
Ethnisch-kulturell ist Venezuela weitgehend homogen (95% “Mestizen & Weiße”), der Iran dagegen “nicht ganz”. Nur etwa die Hälfte bis zwei Drittel der 90 Millionen Iraner sind Perser bzw. andere persisch sprechende Völker und weitere 20 Prozent sind Azeris.
Diese sind jedoch wie die Perser mehrheitlich schiitische Moslems, woraus sich schon die “Bindungs-Wirkung” der iranischen Staatsreligion ergibt. Die größte iranische “echte Minderheit”, die Kurden, sind tendenziell sunnitische Moslems, meist aber ziemlich säkularistisch orientiert.
Die Venezolaner sind ethnisch und religiös “homogener” und definitiv “säkularstischer” als drei Viertel der Iraner. Sie standen speziell nach dem 2. Weltkrieg unter dem Eindruck der regionalen Hegemonialmacht, den “Yanquís”, gegen die es (nicht nur in VZ, in ganz Lateinamerika) ein weit verbreitetes Ressentiment gibt.
Deswegen ist die scheinbare Ruhe und Botmäßigkeit unter der neuen/alten venezolanischen Führung so trügerisch. Delcy Rodriguez, seit mehr als fünf Jahren Vizepräsidentin unter Nicolás Maduro, ist eine in der Wolle gefärbte “Chavistin”,
die aber versucht – versuchen muss -, zu einem modus vivendi mit den “norteamericanos” zu kommen. Die USA haben am 3. Jänner 2026 klugerweise auch keine echte Invasion in VZ versucht, sondern nur den dortigen langjährigen Diktator mit einer Kommando-Aktion “extrahiert”,
dem übrigens auch intern vorgeworfen wurde, dass seine Konfrontationshaltung ggü. den USA mitschuld am Elend im Land trage.
Jetzt erwartet M. in den Staaten seinen Prozess und kann noch froh sein, dass er nicht wie im Alten Rom an den Triumphwagen des siegreichen Feldherren gekettet wurde.
Aber auch der Boden unter der “Verständigungspolitikerin” Delcy Rodriguez schwankt. El País hat kürzlich ein Resümee von “drei Monaten Venezuela ohne Maduro” gebracht, das zwar “über-tiefenscharf” ist, das die Problematik der “geschäftsführenden Präsidentin” aber auf den Punkt bringt.
Die gute Frau muss mit der Hegemonialmacht im Norden auskommen,
bald einmal aber auch wählen lassen, selbst wenn die legalistische Posse um die “zeitweilige” oder “permanente” Abwesenheit Maduros noch drei Monate “tragen sollte”.
Aus heutiger Sicht würde die Machado oder ein anderer bürgerlicher Kandidat – wieder Generisches Maskulinum – siegreich aus einer solchen Wahl hervorgehen,
aber vielleicht kann die Rodriguez für den Urnengang ja erfolgreich die “Linke” gegen einen Guido-Nachfolger einigen.
Das täte Donald & Marco zwar nicht gefallen, aber ein Erfolg würde ihr recht geben und
ein Nicht-Erfolg würde Donald & Marco trotzdem recht geben,
weil dann die frühere “bürgerliche Opposition” ein schwer zu bestreitendes neues Wahlmandat hätte.
Was aber auch egal wäre, weil
das venezolanische Wahlvolk auch künftig nicht viel mitzureden haben wird, weil
- Venezuela in der US-NSS definierten “westlichen Hemisphäre” liegt – siehe z.B. hier und hier - und
- zweitens nimmer allzuviel (flüssiges) Erdöl hat.
Zumindest Letzteres ist wieder eine Gemeinsamkeit mit dem Iran.
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