
Im vorangegangenen Beitrag wurde das aktuelle Update des Outdoor Chiemgau-Stefan thematisiert, der anhand von offiziellen Zahlen die große “punktuelle Bedeutung” der Verstromung von Erdgas für das deutsche Netz hervorgehoben hat. Dessenungeachtet scheint sowohl der aufmüpfige Bayer als auch dieser Österreicher die wesentliche “strukturelle saisonale Rolle” von Gaskraftwerken bisher unterschätzt zu haben. Es sieht nämlich so aus, als gäbe es die “ausgeprägte Saisonalität” nicht nur beim Verbrauch für die Raumheizung, sondern auch bei der Nachfrage durch Gaskraftewerke.
Die Zahlen der deutschen Bundesnetzagentur geben IMO einen solchen Schluss nicht her,
sehr wohl tut dies aber eine Grafik aus der Betriebsstatistik des österreichischen Regulators.
Dabei wird hier davon ausgegangen, dass – wie in so vielen anderen Belangen – das österreichische Bild (stark verkleinert) das deutsche widerspiegelt.
Neben der hier besprochenen “Tortengrafik” ist für die folgenden Überlegungen das “über dem Falz” mit einem Screenshot eingefangene Säulen-Diagramm wesentlich.
Es zeigt auch in der bis 2010 zurück reichenden “längsten Version” charakteristische “Buckel” im Gasverbrauch während der Wintermonate,
die freilich nicht allein auf die “Abgabe an sonstige Endverbraucher” (= großteils Heizung) zurück zu führen sind und in der Haushalte und Industrie/Gewerbe vermengt werden (Gas-Kraftwerke sind natürlich auch “Endverbraucher”, aber eben nicht “sonstige”).
Hoher Verstromungs-Anteil in der “Heizsaison”
Wie aus den braunen Säulenteilen hervor geht, besteht der “Kern” der abgebildeten Verbrauchs-Buckel aber offenbar in zwischen November und März verstromtem Gas, das in einer Jahresbetrachtung wiederum einen hohen Anteil ausmacht,
nämlich geschätzt 90 von 29 Prozent (von Frühsommer bis Frühherbst scheint “absolute Flaute bei den Abgaben an Gas-Kraftwerke” zu herrschen).
Das führt im Winter bei der Nachfrage nach CH4 fast zu einer Verdoppelung des Gasbedarfs für Raumwärme.
Warum?
Weil dieser Chart den Beitrag von “Strom und Fernwärme” am gesamten, über’s Jahr gemittelten Gaseinsatz mit 29 Prozent beziffert und
90 Prozent davon 26 Prozent ausmachen
(die wiederum zu einem überaus hohen Prozentsatz von den 29 Prozent “Heizung und Warmwasser” gezählt werden müssen.
Dagegen ist die dritte, etwa gleich große Kategorie, die “Prozesswärme” (v.a. in der Industrie), relativ kontinuierlich über das Jahr verteilt
(diese Kategorie ist übrigens einem kontinuierlichen hohen Erosionsprozess ausgesetzt,
wie etwa Charts der BNA hier und hier zeigen – “Deindustrialisierung”).
Eine zusätzliche Klippe, die zu umschiffen ist, ist der Umstand, dass die in der interaktiven Grafik gezeigten Säulen (Monats-)Höchstlasten zeigen, nicht aber “Arbeit”.
Leider werden von der E-Control keine direkten absoluten Zahlen über den Verbrauch geliefert, aber die Skalierung auf der y-Achse zeigt den Verbrauch in Gigawattstunden.
Von daher lässt sich sagen, dass im Oktober 2025 beinahe doppelt so viel verstromt wurde als im Oktober des Vorjahres, die Menge ist aber noch immer nicht allzu hoch (weniger als eine von insgesamt etwa 7 TWh,
für genauere Aussagen benötigte man aber z.B. ein Programm, das in Grafiken dargestellte Daten in absolute Werte “rückverwandeln” kann).
Zusammenfassend lässt sich sagen,
- dass der im E-Control-Chart gezeigte gesamte “Inlandsverbrauch” im Oktober 2025 mit (geschätzt) 7 TWh angegeben wird, was mit dem im AGSI erwähnten hiesigen Jahresverbrauch von 78,2 TWh durchaus kompatibel erscheint (im Sommer ist der hiesige Gas-Konsum tendenziell niedriger als im Oktober, im Winter dagegen höher).
Zusammenfassend lässt sich ferner sagen,
- dass angesichts der überproportionalen Gasverstromung im Winter die kommenden Monate speziell ins Gewicht fallen werden und
- dass Wien dank “Selbstmordsanktionen”diesbezüglich heute stärker auf das Wohlwollen von US-Vasallenstaaten angewiesen ist, als dies jemals bei Russland der Fall gewesen ist.
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