
Die USA haben eingeleitet, was sich schon länger angekündigt hat und “babyleicht” aus ihrer “upgedateten Sicherheitsstrategie” ableiten lässt – was hier aber aber nicht groß kommentiert werden soll. Stattdessen soll das daraufhin einsetzende, ohrenbetäubende Geschnatter über Venezuelas angeblichen Ölreichtum (“weltgrößte Reserven”) einer kritischen Würdigung unterzogen werden, was in diesem Blog ja schon vor Jahren zum Thema gemacht wurde, siehe z.B. hier und hier. Wirklich neu ist nur, dass jetzt auch die Trump-Freunde in die Mythologisiererei der früheren und heutigen Maduro-Freunde eingestimmt haben. NB zu Gauklertum und Seeräuberei.
Wahrscheinlich deswegen, weil der Borderline-Verrückte im Weißen Haus und seine Kamarilla jetzt glauben, die VZ-Ölindustrie könne unter dem militärischen und politischen “Schutzschirm” des “Hemisphären-Hegemons” eine Wiedergeburt erleben. Die PDVSA wird aber auch unter Anleitung von ExxonMobile und Chevron nicht mehr Öl fördern können als die venezolanischen Reservoire hergeben.
Derlei Unsinn wollten schon die Chavisten den Venezolanern und der “Weltöffentlichkeit” weis machen und jetzt versuchen es auch die Trumpisten. Dabei muss man erst einmal abwarten, ob die regierenden Post-Maduro-Chavisten, überhaupt das tun, was Marco Rubio ihnen anschafft
- oder ob die USA gleich die Gegend um den Maracaibo-See besetzen.
Ausweislich des jüngsten Monats-Berichts der OPEC hat VZ im Dezember 2025 934.000 Barrel produziert, was schätzometrisch 1,2 Prozent der weltweiten “C & C-Produktion” entspricht (bin zu faul nachzuschauen oder gar zu verlinken).
Das ist immerhin fast doppelt so viel wie zu Zeiten der Pseudo-Seuche,
aber “Lichtjahre von den Höchstständen in den 1970ern und noch unter Chavez entfernt” (bis ca. 2015 noch mehr als 2 mmbd).
Danach fing der Absturz an
- und zwar vor dem Einsetzen der Sanktionen.
Und jetzt glauben die Trumpisten, sie könnten Milliarden Dolores Investitionen in die Ölindustrie triggern und so – zusammen mit der Aufhebung der “Sanktionen” – die PDVSA “auf Vordermann bringen”
und ein Revival der 1970er einleiten
(sofern die politische Führung “brav ist”).
Das ist ein ähnliches Larifari wie die Großsprechereien des seligen Maduro-Regimes.
Ich kann/will jetzt nicht ins Detail gehen, weil mein Computer ständig Manderl macht,
aber dieser Unsinn fängt schon damit an, dass heute keine rpt. keine börsenotierte Firma Milliarden an CAPEX ausgibt, um in fünf Jahren vielleicht Naturasphalt im Dschungel abbauen zu können,
bei einem Ölpreis von derzeit unter 60 USD das Fass. Derlei ist unter heutigen Umständen einfach “nicht darstellbar”
(Guyana schon, aber das dortige Offshore-Öl ist 1.) flüssig und 2.) tatsächlich noch mit “Vertikalbohrung” förderbar).
Nun kann’s gut sein, dass sich die Spielchen um’s Erdöl in den nächsten Jahren substanziell von jenen unterscheiden, die um’s Erdöl in den vergangenen 50 Jahren gespielt wurden
und dass künftig z.B. Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt werden um an “dieselfähiges Öl” zu kommen.
Aber deswegen ändert sich weder die “menschliche Natur”, noch sprießen uns auf wundersame Weise neue Fähigkeiten,
mit denen die Erde im Orinoco-Gürtel in Öl verwandelt werden kann.
Da nutzt es vermutlich auch wenig, dass die Staaten schweres Öl brauchen “wie einen Bissen Brot”.
Die haben zwar noch kanadische Ölsande, von denen knapp 3 mmbd in Raffinerien des Mittelwestens fließen,
aber das Open-pit mining in Alberta ist auch nicht gerade nachhaltig und lässt sich auch theoretisch nur schwer ausdehnen.
Bild: Wilfredor, CC0, via Wikimedia Commons
NB, 7.1. 2026, 22.00 Uhr: Die USA scheinen sich in ihrem Kampf gegen venezolanisches Öl einer Doppelstrategie aus Gauklertum und Seeräuberei zu befleißigen. Für’s Gaukeln scheint primär der Borderline-Verrückte aus dem Weißen Haus zuständig zu sein, der in seinem Online-Dienst verkündet hat, dass die USA“bald” zwischen 30 und 50 Mio. Barrel bisher sanktioniertes venezolanisches Erdöl bekommen würden (das dann zu “Marktpreisen” ebendort verkauft werden soll).
Abgesehen davon, dass Caracas kaum was gegen die Ausweitung seines “Marktgebiets” haben kann, entsprechen die (gemittelt) 40 Millionen Barrel den US-Rohöleinfuhren von etwa 6 Tagen,
sofern man davon ausgeht, dass die amtliche EIA keinen offenkundigen Sch*** verzapft.
Also noch einmal: die 40 Mio. Barrel Öl, um die sich Energieminister Wright unverzüglich zu kümmern hat, entsprechen etwa 6 von 366 US-Importtagen bei “Crude” (2024 war ein Schaltjahr).
Auf die Seeräuberei ist eher das Militär bzw. die US-Küstenwache spezialisiert, die in internationalen Gewässern jetzt einen “Schattenflotten-Tanker” mit venezolanischem Öl “festgesetzt” haben sollen,
mit der originellen Begründung, dass der Tanker US-Gesetze verletzt habe.
Vergleichbares hätte im 17. und 18. Jahrhundert den Königen von Frankreich und England auch einfallen können, obzwar diese anscheinend bemüht waren, die Piraterie mittels ihrer “Kaperbriefe” als public private partnership darzustellen. In den heutigen USA legt der Staat selbst Hand an.
Russland, unter dessen Flagge der Schrottkahn mit dem VZ-Öl gefahren ist, dürfte nicht viel dagegen haben, “polstert” das G’schichterl doch die ihm willkommene Mär von der “shadow fleet”.
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