Österreich/ORF: Einmal der Gigl, einmal der Gogl – die GroKo lebt

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In der östlichen Alpenrepublik ist diese Woche der Generaldirektor des Quasi-Staatsfunks neu besetzt worden und “gewählt” wurde wenig überraschend der bisherige Geschäftsführer einer faktischen 45-Prozent-Tochter des ORF, Clemens Pig. Was an dieser “Wahl” freilich überraschend war, war dass die Stimmabgabe nicht entlang der Fraktionsgrenzen wie bisher erfolgte, was auf eine minutiöse Planung hindeutet.

Gewählt wurde der vom “schwarzen” Bundeskanzler bevorzugte Kandidat mit den Stimmen des gesamten roten “Freundeskreises”, was der Pöbel wohl so interpretieren soll, wie der frisch Gewählte es in ein Mikrofon “seiner” Anstalt krähte: ” Der ORF ist zu 100 Prozent unabhängig.”

Ja, Schnecken, wär einem fast entfahren. Schon ein flüchtiger Blick auf die timeline seit Schaffung des Amts des Generalintendanten (ab 2001: des -direktors) legt nahe, dass der hiesige Quasi-Staatsfunk ein großkoalitionäres Projekt ist.

In den Urzeiten der Großen Koalition, die zuerst von einer “schwarzen”, dann einer “roten” Alleinregierung unterbrochen wurde – besser: “scheinbar unterbrochen” – etablierte sich das Muster des “einmal der Gigl, einmal der Gogl”, das dann ja auch von einer formellen Großen Koalition ab 1986 übernommen wurde (“roter Podgorski” – “schwarzer Bacher” – “roter Zeiler” – “schwarzer Weis”).

Freilich kam es bereits Mitte der 1990er zu einer Art “Reform der Großen Koalition”, parallel zum Verlust der “Verfassungsmehrheit”und zum EG(EU)-Beitritt Österreichs 1994/95. Bisherige “Mehrheitsentscheidungen” im Kuratorium – freilich auf Basis von vorheriger politischer Abstimmung -, wurden von einer “collective action” der großkoalitionären Politikmacher ersetzt, was sich auch im ORF-Führungsteam bemerkbar machte.

Das bedeutete, dass man nicht mehr sklavisch einen “Farbwechsel” in jeder Amtsperiode verfolgte,

dass dafür aber “Kader des großkoalitionären Partners” schon frühzeitig kooptiert wurden. Das Paradebeispiel dafür ist die Betrauung eines damaligen SP-Jungspunds mit der kaufmännischen Direktion unter der Generalintendantenschaft des “bürgerlichen” Gerhard Weis. Dieser Mann der früher VSStÖ-Vorsitzender war kam frisch aus einer staatlichen Medizintechnik-Firma. Sein Name war/ist Alex Wrabetz. Er sollte in den Zeiten der erneuten rotschwarzen Koalition drei Perioden als Generaldirektor absolvieren.

Davor gab es freilich zwei scheinbar “schwarze” ORF-Regierungen unter Gerhard Weis und Monika Lindner, die – unter “schwarz-blau”! jenen Mann als kaufmännischen Direktor bestätigte, den man zweifellos als “Emissär der Löwelstraße” sehen konnte.

Die Lindner wurde mit dem Ende von “schwarz-blau” von Wrabetz abgelöst, der dann bis 2021 dem ORF vorstand.

Wir sehen hier also eine Häufung von “Anomalien”, die suggerieren, dass das “großkoalitionäre einmal der Gigl, einmal der Gogl” der Vergangenheit angehört.

Das ist freilich nicht wirklich der Fall,

nur die äußere Gestalt des großkoalitionären Projekts hat sich geändert.Der Inhalt: exklusiver Machterhalt der zwei staatstragenden ehemaligen “Volksparteien” ist der nämliche geblieben (obwohl ÖVP und SPÖ im Parlament nur mehr über 50 Prozent der Stimmen verfügen).

“Fast forward” in den Juni 2026:

Der neu gewählte GD hat erstmals seit dem “jungen Wrabetz” bzw. Oberhammer keinen “ORF-Stallgeruch”;

der Quasi-Staatsfunk ist deswegen aber mitnichten “unabhängiger”.

Natürlich wurde auch diese”Wahl” politisch gefingert und Pig weiß das genau

- so genau, wie wenigstens alle PR-Fuzzis im Stiftungsrat wissen, dass seit langem berichtet wird, welcher Stiftungsrat wie gestimmt hat.

Ein Journo,  der das Ritual seit mehr als 30 Jahren beobachtet, hat darüber geschrieben:

“Länger als fünfzehn Stunden brauchten die Stiftungsräte, bis wenige Minuten nach 1 Uhr früh jenes Ergebnis offiziell war, das ohnehin seit Wochen, ja Monaten, schon fixiert schien. Nur die Umsetzung, die Begründungen, die exakte Zahl der Stimmen der Stiftungsräte waren da noch nicht bekannt. Umso mehr die Parole: Nur nicht exakt entlang von Fraktionsgrenzen abstimmen (…) Doch ÖVP und SPÖ hatten sich schon lange ausgemacht, wer 2026 welche Personen für welche Positionen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nominieren darf, der laut Verfassungsgesetz und ORF-Gesetz und EU-Medienfreiheitsgesetz unabhängig zu sein hat.”

Dem ist nichts bzw. wenig hinzuzufügen.

Unabhängiger Journalist

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