Erdgas: Die “kleine Figur” der russischen LNG-Exporte in die EU

Hätte es noch eines “Beweises” bedurft, dass Nicht-Kontextualisierung und Verwirrspielchen mit Zahlen nicht ausschließlich eine Sache der allgemeinen Journaille sind, haben oilprice.com und Zerohedge diesen soeben geliefert.Während oilprice.com die vermehrten russischen LNG-Lieferungen in die EU in der ersten Hälfte 2026 in einen – nicht näher begründeten – Zusammenhang mit dem (gefühlt) 100. EU-Sanktionspaket gegen die Russen bringt und überhaupt viel Aufhebens um eine Marginalie macht, wird bei näherer Inspektion der Zahlen klar, dass a) die russischen LNG- bzw. Gas-Lieferungen in die EU nicht mehr besonders groß bis vernachlässigbar sind und b) dass die russischen Steigerungen gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025 deutlich, aber nicht untypisch sind. Die Amis hatten in 1. Halbjahr 2026 um etwa 40% höhere Mehrlieferungen in die EU als die ständig sanktionierten Russen.

Nämlich 3,1 Mrd. Kubik gegenüber 2,2 Mrd. Kubik mehr beim Russen-Gas aus dem hohen Norden.

Das alles sind trotzdem keine weltbewegenden Veränderungen und es stellt sich die Frage, ob derlei überhaupt irgendetwas mit dem “EU-Sanktionsregime” oder der “Straße von Hormuz” zu tun hat

- schließlich hat die Union in den ersten 26 Kalenderwochen des Jahres heiße 3,7 Mrd. Kubik mehr eingeführt  :mrgreen:    als in den ersten zwei Quartalen 2025.

Screenshot_Bruegel_European natural gas imports_Fig_05_bearbeitet
Bruegel, EU Natgas imports, 2.7.2026

Das passierte hauptsächlich im ersten Vierteljahr, in dem zu zwei Dritteln von einem neuen Golfkrieg noch keine Rede war

(von neuen Sanktionen gegen russisches LNG freilich sehr wohl, das aktuell aber bloß acht Prozent aller EU-Erdgasimporte und etwa den doppelten Prozentsatz aller LNG-Importe ausmacht).

EU_Natgas_Importe gesamt_inkl_W26_2026
Bruegel, Natgas Import Tracker, Wochen 1 – 26, eigene Bearbeitung
Russia_LNG_1_HJ_2026
Bruegel, Natgas Import Tracker, RF-LNG, 1. HJ 2023 – ’26, eigene Bearbeitung

 

Gas, dessen Verkauf sich für die Novatek sowieso kaum rentieren kann, sofern sie die Kosten für die neuen Terminals und die Eisbrecher berücksichtigen muss.

Rein kommerziell betrachtet, müssten die Russen über weitere EU-Sanktionen gegen ihr LNG eigentlich froh sein,

aber Geld scheint in Moskau keine Rolle mehr zu spielen,

sonst täte es keine LNG-Tanker mit Eisbrecher-Begleitung durch die Bering-Straße schicken.

Für Propagandazwecke scheint den Ruskis das Teuerste grad’ gut genug zu sein.

Unabhängiger Journalist

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