Ist das Grönland-Thema jetzt beendet? Da lachen ja die Hühner!

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Quelle: Wikicommons

Nachdem der (gute, weil valide) Vorwand der USA für ihren Anspruch auf Grönland für bare Münze genommen und damit vorerst abgebogen werden konnte, erklärten europäische Politicos und Journos die Grönlandkrise für abgesagt. Das ist natürlich insofern Unsinn, als das Thema für die Großmacht USA weiter besteht, aber wohl kaum wg. Grönland selbst. Eigentliches Thema ist die Arktis, die sich die USA bzw. “Trump” gerne mit der RF bzw. “Putin” geteilt hätte. Es ist “das Privileg” der Mächtigen sich einzuverleiben, wofür sie stark genug sind. Mit einem Anschein von Respektabilität geht das aber nur, wenn man auch Anrainer-Rechte geltend machen kann. Die Russen können das qua Geographie locker. Die USA sind aber nur “ebenbürtig”, wenn sie Grönland, vor allem aber Kanada “schlucken” – Alaska allein ist ist zu wenig. Ob dann noch der “kleine Anrainer” Norwegen und ein evtl., ebenfalls kleiner “internationaler Partner” am Katzentisch dabei sitzen, ist eher egal.

Die (künftige) governance der Arktis, also des Nordpols und der Meeresfläche rundherum ist eine komplizierte und langwierige Geschicht, eine jahrzehntelane Kuftelei zwischen Staaten, deren Darstellung manchmal nicht einmal echten Experten und einschlägig interessierten Uni-Instituten gelingt. Dieser Reader aus dem Jahr 2018 dürfte einen Einstieg in diese komplexe Materie bieten (hab ihn nicht ernsthaft gelesen).

Ein solches Vorhaben soll hier aber ohnedies nicht einmal im Ansatz versucht werden.

Als Arktis-Anrainer gelten (im Uhrzeigersinn) Russland, Norwegen, Grönland bzw. Dänemark, Kanada und die USA

und es könnte sein, dass an die Arktis grenzende Staaten Rechte für ein Gebiet geltend machen, das – von ihrem Territorium ausgehend -, in einem spitzen Kegel auf den Nordpol zuläuft.

Rechtlich ist das aber noch nicht klar und es gibt keinen eigenen internationalen Vertrag wie bei der Antarktis,

So gilt “rein rechtlich” inzwischen das Seerechtsübereinkommen, das vlt. sogar Russland ratifiziert ist (oder auch nicht).

Faktisch freilich gilt das Recht des Stärkeren, die im vorliegenden Fall die zwei “Supermächte des Kalten Kriegs” wären (komischer Zufall aber auch  :mrgreen:   ).

Nun zeigt ein kurzer Orientierungsblick auf die “oberhalb des Falzes” veröffentlichte Karte Folgendes

(ausgehend von den unbestrittenen Grenzen der jeweiligen 200 Meilen-Zone vor den Küsten – “rote gestrichelte Linie”):

  • Etwa die Hälfte dieser Claims kann von der Russischen Föderation gemacht werden,  “Festlandssockel” und “Lomonossow-Rücken” hin oder her und
  • kleinere, aber doch noch erhebliche Ansprüche hätte Kanada. 
  • Noch kleinere Anrainerstaaten wären Grönland bzw. Dänemark und Norwegen, die zusammen in etwa so viel geltend machen könnten wie die USA (über ihren Bundesstaat Alaska).
  • Die Vereinigten Staaten wären so gesehen also mit von der Partie – aber nicht so prominent wie sie selbst und (vlt. auch Moskau) das gerne hätten .
  • Um ein ähnlich großer “Anrainer” wie die RF zu sein, müssten die Ansprüche von Kanada und Grönland sowie ggf. Norwegen auf die USA übergehen

- was so manches vor kurzer Zeit Vorgefallene (mit) erklären könnte.  :mrgreen:

Nun gibt es ein etwa in Europa und in der “politischen Linken” verbreitetes Mem, das suggeriert, dass die USA wegen dessen natürlichen Ressourçen, speziell der “Seltenen Erden”, so scharf auf Grönland wären.

Dieser Blogger glaubt derlei weniger und Washington selbst wohl auch nicht,

und zwar, weil ein derartiger Ressourçen-Imperialismus unter den herrschenden Umständen nicht praktikabel wäre oder höchstens nur sehr, sehr langfristig.

Das ist noch abstruser als der Gedanke, Oil-Majors würden unter Militärschutz im venezolanischen Urwald ölhaltigen Boden abbauen

(was sich in der Trump-Kamarilla freilich einige als “viable” vorstellen).

Der Abbau Seltener Erden in Grönland ist ein noch um einen Tick verrückterer Gedanke.

Wenn man von den Küsten absieht, ist Grönland nämlich von einem dicken Eispanzer bedeckt, der 1,7 km im Schnitt und 3,5 km in der Spitze dick ist.Da muss man erst einmal durchkommen, um überhaupt die Erdboden-Oberfläche  zu erreichen, siehe dazu hier:

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Quelle: Wikicommons.

(Ähnliches gilt auch für die Arktis, nur dürfte es technisch leichter sein, am Boden des Arktischen Ozeans zu bohren).

Und natürlich könnte auch das Grönland-Eis über die Jahrhunderte abschmelzen,

etwa, wenn sich erneut die Neigung der Erdachse verändert, oder

sich die Entfernung zu unserem “im All herum eiernden Fixstern” verringert, wie

Northumbria-Astronomin und -Mathematikerin Valentina Zharkova, eine wahre “Klima-Dissidentin”, für die nächsten Jahrhunderte herausgefunden zu haben meint (unbequemerweise sieht sie aber auch eine “Mini-Eiszeit” in den nächsten 30 – 40 Jahren).

Welche nun die aktuellen “wahren Motive” der US-Amerikaner sein mögen

- an der Ernsthaftigkeit ihres Wollens ist auch pro futuro nicht zu zweifeln,

ganz im Gegensatz zu diversen verfrühten Entwarnungen aus Europa, denn

  • das militärstrategische Kalkül, das die Trump-Administration in den Vordergrund gestellt hat, hat durchaus seine Meriten: Man kann aus West-Grönland sehr wohl Interkontinentalraketen abschießen (oder es versuchen), die das Arktische Meer überfliegen und auf Ballungsräume der “Ostküste” gerichtet sind (was freilich auch ohne jeden “Rahmenvertrag” bewerkstelligt werden kann).
  • Washington hat nach wie vor die Mittel an der Hand um Grönland “einzugemeinden” – die militärischen sowieso, aber auch die finanziellen (die Amis mögen aktuell zwar Probleme haben, Käufer für ihre Bonds zu finden, aber das könnte sich vorübergehend ändern, sobald die Fed tut, was die EZB schon immer macht: das Währungsgold in der Zentralbank-Bilanz zu “Marktkursen” zu bewerten, wonach man “auf der Passiv-Seite”eine Menge neuer Dolores “drucken” könnte, um US-Opponenten in Grönland “abzuschmieren” – können ja nicht mehr als 60.000 sein).
  • und schließlich ist die “kulturelle Entfernung” der zu 90% aus Inuit bestehenden Grönland-Bevölkerung zu Kopenhagen oder gar Brüssel größer als die aufgeregte Berichterstattung der vergangenen Tage nahe legt. In der dänischen Öffentlichkeit sind die Grönland-Eskimos schon lange ein “indigenes Volk”, das einen eigenen Staat verdient, weswegen schon vor Jahrzehnten der Prozess der Loslösung von Dänemark eingeleitet wurde. Möglich, dass sich die heutigen Grönländer nicht als US-Amerikaner verstehen – als Dänen oder Europäer aber auch nicht.

Bild/Grafik:Attribution Boundaries_in_the_Arctic
Deutsch: Benutzer:Sémhur, Übersetzung: Benutzer:Jack-ONeill55English: User:Sémhur, translation into German: User:Jack-ONeill55, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons; Eric Gaba (Wikimedia Commons user Sting), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Unabhängiger Journalist

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