Die Befüllung der Gasspeicher läuft weiter schleppend

In der zweiten Augusthälfte haben sich in Österreich, Deutschland und der EU die Gasspeicherstände auf (sehr) niedrigem Niveau relativ zu den Vergleichsjahren stabilisiert. Eine Analyse der Eigentumsverhältnisse der österreichischen Gasspeicher zeigt, dass die heimische Minderbefüllung auf die geringere Einspeicherung ausländischer Speicherkunden zurückzuführen ist. Von Gregor Hochreiter.

Die Gasspeicher in Österreich waren Ende August nur zu 66,8% gefüllt. Damit sind sie weiterhin deutlich schwächer gefüllt als in allen drei Vergleichsperioden. Ein negativer Wert bedeutet, dass im aktuellen Kalenderjahr der Füllstand niedriger als im Vergleichsjahr ist; ein positiver Wert bedeutet, dass im aktuellen Kalenderjahr der Füllstand höher als im jeweiligen Vergleichsjahr ist.

Ö_Füllstand_LinienchartBasierend auf unterschiedlichen Befüllungsraten ergeben sich somit unterschiedliche Füllstände am Ende der Einspeicherungsperiode Ende Oktober. Die Bandbreite reicht von maximal knapp 94% bis weniger als 65%. 2024 verzeichnete der September bereits eine minimale Ausspeicherung, im Oktober 2016 gab der Füllstand um 2,7 Prozentpunkte nach.

Entspricht die Einspeicherungsrate für die kommenden zwei Monate der bisherigen durchschnittlichen Einspeicherungsrate seit Anfang April, wären die Gasspeicher in Österreich Ende Oktober zu 80,4% gefüllt. Die EU-Vorgaben würden damit verfehlt. Nur falls diese auf einen Mindestfüllstand von 80% reduziert würden – wie von der EU-Kommission Ende August vorgeschlagen – würde Österreich sie mit Ach und Krach erfüllen.

Am vergleichsweise geringen Füllstand ändert das aber natürlich nichts. Im Vorjahr lag der Füllstand Ende Oktober bei 83,7%, allerdings war er Ende September mit 84,9% noch etwas höher.

Ö_Szenarien_SäulenDeutlich schlechter sieht die Situation in Deutschland aus. Wie in Österreich wurde in der zweiten Augusthälfte zumindest der Abwärtstrend gegenüber den Vergleichsjahren gestoppt.

Im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt weisen die Gasspeicher in Deutschland mit 53,3% allerdings eine um fast 30 Prozentpunkte geringere Befüllung auf. Gegenüber dem Vorjahr beträgt das Minus fast 18 Prozentpunkte.

D_Füllstand_LinienchartDie EU-Vorgaben wird Deutschland dieses Jahr sicher verfehlen. Ein Füllstand von mehr als 70% per Ende Oktober wird kaum möglich sein. Bei einer Fortsetzung der bisherigen Einspeicherungsrate seit Anfang April wären die Speicher Ende Oktober zu 66% gefüllt. Im Vorjahr waren es 74,9%. Allerdings wiesen im Vorjahr die Gasspeicher in Deutschland wie auch in Österreich mit 76,7% Ende September einen höheren Füllstand als ein Monat später auf.

D_Szenarien_Säulen

Zu den Eigentumsverhältnissen der Gasspeicher in Österreich

Die Gasspeicher in Österreich weisen einige Besonderheiten auf. Mit etwas über 100 TWh decken sie den jährlichen österreichischen Gasbedarf zu rund 125%. Aktuell decken die eingespeicherten knapp 67 TWh bereits mehr als 80% des Jahresbedarfs.

Zum Vergleich: In Deutschland sind es bei einem Füllstand von etwas über 53% nicht einmal 15% des Jahresbedarfs, EU-weit deckt der Füllstand von knapp 66% nur etwas mehr als 20% des Jahresbedarfs.

Allerdings steht bei Weitem nicht der gesamte Speicherinhalt der Gasspeicher in Österreich österreichischen Speicherkunden unmittelbar zur Verfügung. Das verzerrt die öffentliche Wahrnehmung über die tatsächliche Höhe der österreichischen Gasreserven deutlich.

Die in Gasspeichern in Österreich gelagerten Gasreserven teilen sich in sechs Kategorien auf:

  • Die „Strategische Reserve“ in Höhe von 20 TWh, das entspricht rund einem Viertel des jährlichen österreichischen Gasbedarfs, ist nur nach einem politischen Beschluss abrufbar. Diese Reserve muss, und dieser Punkt ist wichtig, unter Umständen dem Ausland zur Verfügung gestellt werden.
  • Die „immunisierten Mengen“ haben Unternehmen eingelagert. Dieses Gas ist fürösterreichische Unternehmen verfügbar, außer es werden Energielenkungsmaßnahmenverordnet.
  • Das Gas „geschützter Kunden“ steht österreichischen Speicherkunden zur Verfügung, allerdings nur in einer Notlage.
  • Die Gasreserven Österreichs im engeren Sinn entsprechen den „sonstigen Mengen von österreichischen Speicherkunden“. Allerdings können diese auch an das Ausland verkauft werden.
  • Die „sonstigen Mengen von nicht-österreichischen Speicherkunden“ befinden sich im ausländischen Eigentum und sind damit nicht für österreichische Speicherkunden´verfügbar. Allerdings können sie theoretisch auch österreichischen Kunden verkauft werden.
  • Das Gas „nicht-österreichischer Endkunden“ steht österreichischen Verbrauchern nicht zur Verfügung. Aufgrund der äußerst geringen Menge wird dieser Posten nicht weiter berücksichtigt werden.

Nicht in dieser Auflistung scheint für österreichische Kunden im Ausland eingespeichertes Gas auf. (Für eine detaillierte Darstellung zur Nutzbarkeit der einzelnen Untergruppen siehe den Artikel „Österreichs Gasreserven – (k)ein Grund zur Sorge?“.)

Die folgenden Abbildungen zeigen, wie sich im Kalenderjahr 2025 die Eigentumsverhältnisse im Jahresverlauf veränderten. Deutlich ist zu erkennen, dass nahezu über den gesamten Jahresverlauf nicht-österreichische Speicherkunden den größten Anteil der zum jeweiligen Zeitpunkt eingespeicherten Gasmenge auf sich vereinten.

Der von österreichischen Speicherkunden jederzeit nutzbare Anteil überstieg nur in zwei Monaten (September und Oktober) 20% der eingespeicherten Menge.

Allerdings genügte im Vorjahr, auch dank des milden März, diese Menge an Gasreserven, um durch den Winter zu kommen, ohne die für Notfälle vorgesehenen Gasreserven – Strategische Gasreserve, immunisierte Mengen, geschützte Kunden – anzugreifen. Eigentumsverhältnisse_öst_SpeicherIn einer leicht anderen Darstellung zeigt sich der Jahresverlauf wie folgt.

Eigentumsverhältnisse_öst_Speicher_SäulenBezogen auf die maximal verfügbare Speicherkapazität machten die von österreichischen Speicherkunden jederzeit nutzbaren Gasreserven in keinem einzigen Monat mehr als 15% aus. Eigentumsverhältnisse_öst_Speicher_linien2Den Anteil der den österreichischen Speicherkunden zur Verfügung stehenden Gasreserven relativ zum Gasverbrauch von 82,2 TWh im Kalenderjahr 2025 zeigt die nächste Abbildung.

Der Höchststand bei den von österreichischen Speicherkunden jederzeit nutzbaren Gasreserven (= „sonstige Mengen von österreichischen Speicherkunden“) wurde im Oktober 2025 mit 16,9% erreicht.

Die strategische Gasreserve entsprach Monat für Monat 24,3% des letztjährigen Gesamtverbrauchs.

Eigentumsverhältnisse_öst_Speicher_lProzentVerbrauch

Abschließend noch der Vergleich zwischen den „österreichischen Gasreserven“ und den „Gasreserven in Österreich“ im Jahresverlauf.

Die „österreichischen Gasreserven“ entsprechen den vier Untergruppen „sonstige Mengen von österreichischen Speicherkunden“, „strategische Gasreserve“, „immunisierte Mengen“ und „geschützte Kunden“. Nicht in dieser Auflistung enthalten sind für österreichische Speicherkunden vorgesehene Gasreserven im Ausland.

Die „österreichischen Gasreserven“ schwanken deutlich weniger als die „Gasreserven in Österreich“. Das liegt an der großen Bedeutung der strategischen Gasreserven, insbesondere wenn auch noch di„immunisierten Mengen“ und die „geschützten Kunden“ hinzugerechnet werden.

Die Schwankungsbreite der „österreichischen Gasreserven“ reichte im Vorjahr von 38,6% im März bis 52,6% im Oktober und war damit deutlich geringer als jene der „Gasreserven in Österreich“.

Diese bewegten sich im Vorjahr im Bereich von 43,7% im März bis 85,7% im September. Medial kolportiert werden nur die Gasreserven in Österreich.

Gasreserven_lininenchart03

Der aktuelle Stand der Eigentumsverhältnisse

Auf Wochenbasis stellt die E-Control eine Übersicht über die aktuellen Eigentumsverhältnisse der Gasspeicher in Österreich zur Verfügung. Per 25. August haben österreichische Speicherkunden (C) mit 12,91 TWh sogar etwas mehr Gas eingespeichert als im Vorjahr (12,80 TWh).

Eigentumsverhältnisse_pie-chartGänzlich anders sieht es bei den nicht-österreichischen Speicherkunden aus. Diese haben mit 29,05 TWh mehr als 10 TWh weniger eingespeichert als noch 2025.

Dabei dürfte es sich um deutsche Speicherkunden handeln, was wiederum nahelegt, dass die eingespeicherten deutschen Gasreserven im Jahresvergleich noch niedriger sind, als es der Blick auf den Füllstand der Gasspeicher in Deutschland vermuten lässt.

Umgekehrt bedeutet es aber auch, dass die Minderbefüllung der Gasspeicher in Österreich auf die geringere Nachfrage ausländischer Speicherkunden zurückzuführen ist, nicht auf eine geringere Nachfrage einheimischer Speicherkunden.

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