“Markt”? Gas-Importe aus dem Golf spielen für die EU kaum eine Rolle

Die EU hat vergangenes Jahr etwa 3,6 Prozent ihrer Erdgasimporte aus dem “Mittleren Osten” bezogen und in den ersten beiden Monaten 2026 waren es überhaupt nur mehr 2,5 Prozent. Die große Frage ist daher, warum in den Niederlanden der Derivativpreis für Erdgas so stark gestiegen ist: Händler-Psychologie? Hirnlose Algos? Spekulanten?960px-2023-05-20_01_LNG_tanker,_GULF_ENERGY_-_IMO_7390143 Dieser Blogger ist der Meinung, dass es sich bei der ICE um einen “Papiermarkt” handelt, der a) nie auf einen echten Warenaustausch abgezielt hat und b) die “papier-gehandelten” Rohstoffe daher völlig falsch bepreist. Trotzdem fungiert diese Notierung flächendeckend als “Benchmark” für die europäischen Konsumenten.

Dieser Blogger verfolgt, wie bekannt, “zeitnahe” die EU-Erdgas-Importe und hat zuletzt am 5. Dezember eine Tortengrafik gebracht, die den Anteil des Mittleren Ostens an den “LNG-Importen”in den ersten elf Monaten 2025 zeigt. Das liefert einen “belastbaren Anhaltspunkt”, reicht aber nicht aus.

Der Vollständigkeit halber und weil die Daten bereits vorliegen, hat sich dieser Blogger den Anteil von Katar & Co. für das Gesamtjahr 2025 und die ersten beiden Monate 2026 angeschaut und – siehe da – der Beitrag der Golf-Araber zur EU-Erdgasversorgung ist noch geringer als “Daumen mal Pi überschlagen”

- eben nur 3,6 Prozent für 2025 und 2,5 Prozent für Jänner und Februar 2026. Um das auszurechnen, wurde

  • erstens das vom Thinktank Bruegel stammende Datenmaterial der LNG-Importe aus dem “Mittleren Osten” in eine Tabelle geladen und addiert, was 11,34 Mrd. m3 Erdgas für das Gesamtjahr 2025 und 1,39 Mrd. Kubik für Jänner und Feber 2026 ergab und
  • zweitens wurden aus einer anderen Bruegel-Tabelle die gesamten EU-Erdgasimporte für 2025 und die ersten neun Wochen 2026 addiert (312,85 Mrd. m3 und 56,4 Mrd. m3 respektive).

Ich habe zur Rechnung 2025 zwei Screenshots gemacht, dass man mir glaubt, dass ich sie angestellt habe:

EU_Gesamtimporte_2025_BruegelLNG_Imports_Middle_East_Bruegel

 

Mehr “ist nicht aktenkundig” und eine Gas-Pipeline zwischen Katar oder Saudiarabien und der EU gibt es auch nicht.

Die physischen Flüsse in die EU sind “eindeutig marginal”. Warum also hat die – äußerst volatile – Notierung des Dutch TTF (am Donnerstag ging’s rasant “nach unten”) so einen riesigen Einfluss auf die europäischen Gaspreise?

Die Standardantwort lautet, dass Erdgas, nein: LNG-Erdgas ein weltweit fungibles Produkt ist und dass die Derivativpreise “korrekt” weltweites Angebot & weltweite Nachfrage wider spiegeln.

Das ist eine Behauptung, die nicht belegbar ist, die aber durchaus richtig sein kann. Immerhin ist bis jetzt noch nicht bekannt geworden, dass die physische Auslieferung eines Future-Kontrakts einmal nicht geklappt hätte.

Anders als z.B. Gold ist Erdgas ein Verbrauchsgut, das auf Wunsch vorhanden sein muss und physisch verbrannt werden kann. Kontrakte brennen nicht so gut wie Erdgas.  :mrgreen:

Dieser Blogger weiß aber nicht, ob

  • gemäß den ICE-Spielregeln die “delivery” in Kubikmetern erfolgen muss und nicht irgendwie anders “gesettelt werden kann”;
  • es bisher öffentlich nicht bekannte “delivery failures” gegeben hat und allgemein,
  • wie beim “Dutch TTF” das Verhältnis von ausgelieferten zu “übergerollten” Kontrakten aussieht, und ob sich dieses zuletzt verändert hat.

Es kann also durchaus sein, dass der “Dutch TTF” das weltweit knappere LNG-Angebot durch die “Sperre der Straße von Hormuz” widerspiegelt

- so wie wohl vergleichbare Derivate-Börsen in den USA und Asien -, die

nicht nur das geringere Angebot im Auge haben, sondern

auch eine mögliche geringere Nachfrage, impliziert etwa durch diverse Wetterprognosen.

Für jeden Faktor wird es überzeugende “Argumente” geben, und die pöhsen Spekulanten werden hier ihre jeweiligen Prioritäten setzen, maschinelle Spekulanten inklusive.

***

Es kann aber auch sein, dass das Ganze ein Kartenhaus ist, das in sich zusammenfällt,

sobald der erste “delivery failure” ruchbar wird und die menschlichen und maschinellen Spekulanten zum Schluss kommen, dass sie nur ein Blatt Papier in Händen halten.

Dieser Blogger hängt dieser Sicht an, hauptsächlich wegen “Faktoiden” auch zur Erdgas-Produktion, die sich über die vergangenen zwei Jahrzehnte angesammelt haben.

“Beweisen” kann ich aber auch hier nix.

Bild: Gordon Leggett / Wikimedia Commons

Unabhängiger Journalist

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