Stickstoffdünger, ein “EU-Psyop”

Es dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben, von welch großer Bedeutung der Einsatz von Stickdstoffdünger in der modernen Landwirtschaft ist und dass Milliarden Menschen ihre schiere Existenz dem Haber-Bosch-Verfahren verdanken, siehe u.a. hier, Kap. 4; nicht umsonst hat Vacvlav Smil in einem 2022 erschienenen Buch das Ammoniak zu einer der “vier Säulen der modernen Zivilisation” erklärt. Stickstoffdünger ist also sehr, sehr wichtig. Umso bemerkenswerter ist freilich der neueste Spin der westlichen Journaille, wonach Europa primär von unterbrochenen Düngemitteltransporten durch den “Iran-Krieg” bedroht sein soll. Das ist nicht der Fall. NB zu den wahren Gründen der EU-Bredouille durch den neuen Golf-Krieg.

Das kann nicht einmal indirekt der Fall sein, als das Erdgas, das die EU aus dem Arabischen Golf bezieht, nicht allzu viel ist.  Wie u.a. aus einem hier gezeigten Tortendiagramm hervor geht, können nur weniger als 8 Prozent der LNG-Einfuhren, also vier oder fünf Prozent aller Gasimporte überhaupt aus Ländern “hinter der Straße von Hormuz” stammen

(und – wie bekannt -, wird Erdgas nicht nur zur Ammoniaksynthese, sondern auch zur Erzeugung von Raumwärme und Prozessenergie verwendet).

Die vom Krieg heimgesuchte Region ist auch nicht als großer Düngemittellieferant von Europa bekannt -

im Gegenteil. Ein 2023 von einem europäischen Branchenverband publiziertes “Faktenbuch” zeigt eine Weltkarte, in der die Länder um den Arabischen Golf für Europa bedeutungslos sind (siehe eingebundenen Screenshot, in dem in der Region nur der Oman und Ägypten erwähnt werden, die sich beide freilich nicht hinter der “Straße von Hormuz” befinden).

Screenshot 2026-03-17 at 13-22-35 Industry-Facts-and-figures-2023.pdf
Quelle: Fertilizers Europe, Facts &Figures 2023, p. 5

Laut einer Auflistung der Weltbank aus dem Jahr 2024 befindet sich unter den größten Stickstoffdünger-Lieferanten der EU – vor allem von Harnstoff - kein einziges Land am Arabischen/Persischen Golf. 

Screenshot 2026-03-17 at 13-27-15 European Union Mineral or chemical fertilizers with nitrogen imports by country 2023 Data
Quelle: Weltbank

Was sollen also all die fake news?

Wie ersichtlich, hat die Union 2023 zwar 1,4 Mrd. kg Stickstoffdünger importiert, sie erzeugt aber 90 Prozent ihres Verbrauchs innerhalb der eigenen Grenzen.

EU_Nitrogen_fertilizer_KI_Google
Quelle:Google

 Dazu wird freilich Erdgas benötigt.

Hmm … mit Erdgas war in den vergangenen Jahren doch etwas!?    :mrgreen:

Nachbemerkung, 18.3., 6.00 Uhr:  Dieser Blogger geht sehr wohl davon aus, dass der sg. Iran-Krieg “Europa” stärker in die Bredouille bringt, allerdings aus “Erdöl-Gründen”, speziell nach dem Cancelling von russischem Öl durch die “EU-Blödmänner” (zu den Zahlen siehe hier und die BP/EI Statistical Reviews der Jahre 2022 und 2025).

Rein mengenmäßig importiert die EU weniger als 20 Prozent ihres “Crudes” aus Saudiarabien und dem Irak – also nicht besonders viel. Ausweislich der “World Oil Review 2025″ von ENI, pp. 104 und 108 ist/war das mittelöstliche Rohöl dem “weitgehend gecancelten” russischen Rohöl aber ziemlich ähnlich (“medium & sour”).

Das US-amerikanische Öl ist dagegen überwiegend “light & sweet”, mithin nur bedingt für die Dieselproduktion geeignet. Auch nordafrikanisches Öl ist überwiegend “leicht & süß”.

Unabhängiger Journalist

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