Die OMV, seit 2004 kontrollierende Eigentümerin der rumänischen Petrom, hat mit einem vergangene Woche kommunizierten Deal mit der Regierung in Bukarest ihre Interessen als börsenotierte AG gewahrt (ebenso wie der ebenfalls börsenotierte Verbund über dessen Tochter GasConnect Austria mit seinem damit in Zusammenhang stehenden “Nicht-Handeln” das tut – siehe unten). Der frühere OMV-General Gerhard Roiss, dem u.a. hier Heuchelei attestiert wurde, motzt trotzdem herum, weil damit Lebensinteressen in Ö. verletzt würden (siehe ebenfalls unten).
Sollte Roiss wirklich glauben, die OMV sei dazu da österreichische Lebensinteressen zu wahren, hat er entweder zu viel getrunken, oder er war zumindest 2011-15 fehl besetzt. Derweil lassen Politicos in Österreich ebenfalls heucheln, dass sich die Balken biegen.
Vorbemerkung: Das Grundproblem von Geschichten wie dieser ist, dass sie zwar eine einfache “Kern-Message” haben, dass diese wg. zahlreichter “technischer Details” UND “(known) Unknowns” aber schwierig zu vermitteln ist – wenigstens für Leser mit beeinträchtigter Aufmerksamkeitsspanne. Im vorliegenden Fall lautet die zentrale Nachricht, dass ab 2027 kein rumänisches Erdgas ins “westliche Mitteleuropa” strömen wird, dass dies aber ohnedies egal ist, weil es “das Kraut auch nicht fett machen” würde.
Also, die OMV gab vergangene Woche über Aussendung und ad hoc bekannt, dass sie mit der “rumänischen Politik” zu einer Zwischen-Einigung im schon lange schwelenden Streit um die Petrom gekommen sei, die das Offshore-Erdgas-Projekt “Neptun” und die Petrom-Abgaben an Rumänien betrifft (zumindest wurde nur das offen kommuniziert).
Die Folge waren einige Berichte in hiesigen Medien, entlang der Linie Gottseidank, jetzt ist hoffentlich mal eine Weile Ruh’ mit den ständigen Petrom-Troubles, wobei als selbstverständlich vorausgesetzt wurde, dass das ab 2027 im Schwarzen Meer zu fördernde Erdgas – eh nicht besonders viel -, an Kunden im östlichen Mitteleuropa verkauft werden würde (keine Überraschung, offiziell seit längerem bekannt).
Ein oder zwei Tage später kommt die OÖN daher – vielleicht auch nur, um “versäumte News aufzufangen und neu aufzuziehen” – und schreibt, dass dieses Gas Baumgarten aber nie erreichen werde, weil man es schon ins östliche Mitteleuropa verkauft haben würde
(was aus Sicht der börsenotierten OMV AG und deren Aktionären aus mehreren Gründen rational ist: Lizenzen, künftige Explorationen, geringere Kosten für den Abtransport des Gases, etc.).
Die “Nachrichten” haben für diese ihre Story entweder direkt oder “indirekt, als Aussendungsschreiber”, Ex-OMV-GD Roiss zitiert, der sich darüber mokiert, dass das in seiner CEO-Zeit entdeckte Offshore-Gasfeld kein CH4 nach Ö. liefern werde, wo doch
- der österreichische Staat 31,5% an der OMV halte, die wiederum
- 51 Prozent an der Petrom besitze, die wiederum
- 50 Prozent an besagtem Gasfeld halte und außerdem
- Konsortialführer bei den Untersee-Bohrungen sei.
Bumsti, klare “moralische Verpflichtung”!
Das wurde in Ö. aus mehreren Gründen (siehe auch oben) medial nicht mehr “weiter gezogen” und vlt. spielte es dabei eine Rolle, dass man
“die Pferde nicht kopfscheu machen” wollte
(“die Pferde” soll heißen: die Millionen österreichischen Gaskonsumenten, die auch demnächst wieder Stocki, Andi und Beate wählen sollen und NICHT Herbertl; für die hiesigen paar Zehntausend OMV-Aktionäre bestünde sowieso kein Grund, die Verfrachtung von rumänischem Gas nach Ö. besonders gut zu finden).
Weil aber der Mythos von den wohltätigen (Fast-)Staatskonzernen noch immer bedient werden will und Teile des Elektorats (und vlt auch Hr. Roiss) noch immer glauben, dass OMV, Verbund & Co. zu ihrem Wohl da seien, setzte sofortige Hyper-Heuchelei ein, indem der OMV-Konzern auf Anfrage versicherte, dass es für ihn
- “höchste Priorität (habe), stets ein zuverlässiger Lieferant für die Kunden zu sein” (merke: nicht ö. Kunden, sondern einfach nur KUNDEN. Die OMV Petrom hatte ja schon Tage davor (halb)wahrheitsgemäß mitgeteilt, dass sie “das nächste Kapitel von Rumäniens Energie(Versorgungs)sicherheit aufschlage”,
- dass aber schon wieder die Orban-Ungarn an der Misere Schuld trügen, weil sie sich der Umkehrung des Gasflusses in einer österreichischen Pipeline (“HAG”) widersetzten.
- Immerhin war die Verbund-Tochter GasConnect dann aber so anständig festzustellen, dass man zwar Pipeline-Kapazitäten durch Ungarn hätte buchen können, man aber festgestellt habe, dass es keine “Nachfrage” nach rumänischem Gas gebe (da man sich anderweitig gut versorgt wähnt): “Es besteht gegenwärtig weder in Ungarn noch in Österreich ein Marktinteresse an einem Ausbau der HAG.”
- Abgesehen davon, dass man bei solchem “Markt” im Allgemeininteresse durchaus “Ross und Reiter hätte nennen können”, war auch das Wording der GasConnect “perfekt”, bedeutete es doch: a) “Hei, nicht WIR, der ‘Markt’ ist schuld” und b) “Wir jedenfalls bürden unserem börsenotierten Mutterkonzern keine unnötigen Kosten auf!”
Stellt sich zum Schluss nur die Frage:
Wie kommt es, dass sich auch beim Lesen des OÖN-Artikels der Eindruck aufdrängt,
- dass die Orban-Ungarn üblicherweise schuld seien, wenigstens aber
- die Rumänen, die das vor der eigenen Küste geförderte Gas im Land behalten wollen, speziell jetzt, wo’s mit Russland gewissermaßen ganz aus is’.
Bild: Maroc21, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
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