Energie/Ö: Hofrat Beschwichtel bereitet a. Treibstoff-Engpässe vor

TAL-Brücke01_D
TAL-Pipeline in D

Während der für Energie zuständige österreichische Wirtschaftsminister dieser Tage in New Delhi bevorstehende Knappheiten bei Diesel und Kerosin ankündigte – siehe z.B. hier und hier -, aber beruhigend auf hiesige “Notstandsreserven” verwies, kündigen nicht gleichgeschaltete Medien bereits seit langem Knappheiten bei Diesel und Kerosin an – dringen damit aber nicht durch, weil die hiesige Journaille lieber den “seriösen” Hofrat Beschwichtels glaubt als den “unseriösen” nicht gleichgeschalteten Medien, die noch dazu oft in englischer Sprache publizieren. Doch Gott sei Dank gibts Politicos - Generisches Maskulinum -, die sich einer für Desinformation charakteristischen Mischung von Wahrheit und Unwahrheit befleißigen, um die Öffentlichkeit auf das Ende des Ölzeitalters vorzubereiten – selbstverständlich auf Beschwichtelsche Art.

Die beschwichtelnde Rede von den Reserven scheint teilweise eine gewisse Verankerung in Realien zu haben, faktisch hat sie diese aber nicht.Wie bei jeder guten Desinformation muss sich “der Adressat” im Detail auskennen, um den informationellen Spreu vom Weizen trennen zu können.

Konkret anhand des Beispiels der von H. beschworenen “Öl- und Gasreserven” der östlicheren Alpenrepublik:

  • Es ist richtig, dass es hier schon seit immer ein “Erdölbevorratungsgesetz” gibt und es mag auch korrekt sein, dass die hiesigen Erdölreserven drei Verbrauchsmonate groß sind (Achtung, Staatsgeheimnis!). Nicht dazu gesagt wird freilich, a) was da alles dazu gezählt wird (Bundesheer?) und b) dass es auch “Solidarverpflichtungen” gibt, wie erst kürzlich bei der Reservenfreigabe durch die IEA zu besichtigen. Natürlich gibt es diese Verpflichtungen über die OECD hinaus auch gegenüber der EU und der “internationalen Gemeinschaft”. Deren Inanspruchnahme würde die vom Energieminister aufgetischten, scheinbar üppigen Reserven schnell einmal mager aussehen lassen.
  • Es dürfte auch richtig sein, dass Österreich mehr als die Hälfte seines Rohöls aus Kasachstan kriegt, das “Diesel-tauglicher” ist als das leichte Zeug z.B. aus Libyen (und dass daher “aus rein österreichischer Warte” leichter auf saudisches Öl verzichtet werden kann als von der Gesamtheit der EU; siehe dazu die Produktionsprofile in der jüngsten “World Energy Review” von ENI). Nicht dazu gesagt wird freilich, dass Kasachstan ein Binnenland ist, das nach Europa nur über einen russischen Schwarzmeerhafen exportieren kann, wobei sich schnell einmal die Frage stellen kann, was kasachiches und was russisches Öl ist (speziell wenn russische Fallschirmjäger der kasachischen Regierung “unter die Arme greifen” wie 2022 geschehen – “CSTO”) Europaweit liegt der Anteil von formell kasachischem Öl jedenfalls viel niedriger, nämlich bei höchstens 18 Prozent (Siehe EI, Statistical Review of World Energy 2025, S. 34)
  • Schwechat wird mit einem Abzweiger der TAL-Pipeline mit kasachischem Öl versorgt, die offenbar leicht sabotiert werden kann, wie sich erst vor kurzem erwiesen hat.
  • Es ist auch korrekt, dass der Flughafen Wien weitestgehend aus dem Inland, nämlich von der nahe gelegenen Raffinerie Schwechat mit “Flugkraftstoff” oder wie immer man es nennen will, versorgt wird (siehe beispielsweise den Branchenreport Mineralöl 2024/25, Seite 11). Es ist aber ebenso korrekt, dass Kerosin ein “Mitteldestillat” wie ein “Dieselkraftstoff” ist, das u.a. in Schwechat problemlos nur aufgrund der besonderen Eigenschaften des “kasachischen” (und bisher saudischen) Rohöls gebraut werden kann (was im Fall des kleinen Österreich für einen 90-prozentigen Versorgungsgrad ausreicht.) Bei diversen Diesels schaut’s schon deutlich schlechter aus (60% müssen importiert werden) und vollends grimmig wird das Diesel- und Kerosin-Bild in der restlichen EU, die mittlerweile – seit den “Russen-Sanktionen” – knapp 30 Prozent ihres Rohöls aus den USA importiert (importieren muss) – leichtes, nur bedingt “Diesel-taugliches” Zeug wie z.B. hier angetönt. Auch anderswo gibt es einen (zu) hohen Leicht-Anteil beim Rohöl, weswegen derzeit nur dann unbeschwert abgeflogen werden sollten, wenn man nicht unbedingt zurückkehren möchte („Das Hauptproblem ist, wenn ein Flieger woanders hinfliegt“    :mrgreen:     )
  • Während MSM und Politicos die Mangelsituation bei den Mitteldestillaten allein auf den “Iran-Krieg” abwälzen, sieht dieser Blogger das Problem in der EU nur insofern mit der Situation im Arabischen/Persischen Golf verbunden, als von dort nach den letztverfügbaren Zahlen gut ein Viertel der importierten mittelschweren Öle stammt, siehe hier. Das ist viel, aber das mittelschwere Öl der Russen war noch mehr (um von deren Diesellieferungen zu schweigen) und danach hat nach 2022 kein Hahn gekräht. 12 hat’s jetzt für alle geschlagen, aber es gibt welche, die früher und andere, die später “gehen müssen”. Im Gegensatz z.B. zu Russland scheinen die von Blödmännern regierten EU-Staaten zur ersten Gruppe zu gehören.
  • Vollends ins Absurde Theater kippt der schon von der Gewessler vorgeschützte österreichische Polster bei Erdgas, siehe dazu hier. Dieser “Polster” befindet sich geografisch zwar auf österreichischem Staatsgebiet und wird von der angeblich unabhängigen E-Control aus Wien reguliert, faktisch schaut’s (“mehrheitlich”) aber ganz anders aus. De facto liegt ein Großteil der – möglicherweise ohnedies nicht in “österreichischem Eigentum” stehenden – Gasreserven weit von den verbrauchsstarken Ballungsräumen Wien und Graz entfernt nahe an der deutschen Grenze. Allenfalls könnten diese Mengen noch dem Ballungsraum Linz zugute kommen, mehr aber nicht. Man kann, sofern man will, das alles bei AGSI nachlesen und braucht ggf. einen Atlas um herauszufinden, wo Haidach oder Höring liegen.

Kurz: das Versorgungssicherheitsgerede entbehrt idR der Substanz, egal ob die Mainstream-Medien aus welchen Gründen immer “diesen Unsinn schlucken”.

Bild: AHert, CC BY-SA 3.0,  via Wikimedia Commons

Unabhängiger Journalist

Comments are closed, but trackbacks and pingbacks are open.