Erdgas: Sensationalistischer Unsinn über die EU und d. Arabischen Golf

European Gas Storage Can’t Survive 3 More Months of Hormuz OilPrice
Screenshot “oilprce.com”
zerohedge auf X „European Gas Storage Can't Survive 3 More Months Of Hormuz
Screenshot Zerohedge auf X

Während die Regierung in Form einer Kommission den Hofrat Beschwichtel macht (“besser als erwartet”), schwärmen mittlerweile auch die “Kassandras” aus wie früher die Mai- und Junikäfer. Der jüngste faktenferne Larifari legt nahe, dass die EU-Erdgasversorgung schwer und akut von den Zerstörungen in Katar betroffen sei, was offenkundiger Unsinn ist. Stimmen die offiziellen Statistiken nur einigermaßen, kann schon gar keine Rede von einer Bedrohung der “europäischen” Erdgasversorgung in den Sommermonaten sein. Und was die Wiederbefüllung der EU-Speicher für die nächste Heizsaison betrifft, ist es wahr, dass diese unter den gegebenen Umständen schwieriger wird, aber auch, dass der angepeilte Befüllungsgrad von 90% zu Beginn der nächsten Heizsaison ein weitgehend irrelevantes Stöckchen ist, über das gehüpft werden  soll (was niemand besser wissen sollte als Spezial-Medien wie z.B. “oilprice.com”).

Vorbemerkung: Dieser Blogger kämpft seit Jahr und Tag gegen offizielle und offiziöse “Beschwichteleien”, fühlt sich jetzt aber gedrängt, dem nicht sachgerechten Eindruck einer unmittelbaren Gefährdung der EU-Erdgasversorgung entgegenzutreten.

Fast gewinnt man den Eindruck, von der Heiz- nahtlos in die Desinformationssaison übergegangen zu sein.

Ursprünglich wollte ich ein paar Tabellen auf Basis von AGSI- und Eurostat- bzw. Entsog-Daten machen, aber der zeitliche Aufwand dafür ist unvertretbar hoch. Oh, und ja – dieser Blogger geht sehr wohl von einer bevorstehenden “Austrocknung” der Union bez. fossiler Treibstoffe und Erdgas aus, aber bessere Ausreden wie “die Straße von Hormuz” etc. sollte es schon geben.            :mrgreen:

Homöopathische Dosen aus dem “Mittleren Osten”

Der erste Punkt ist der Umstand, dass die Union kaum Erdgas aus dem Mittleren Osten – also aus Katar – importiert, wie hier schon einmal auf Basis von Gesamtjahreszahlen 2025 sowie Jänner und Februar 2026 festgestellt wurde.

Die Einbeziehung der mittlerweile verfügbaren Daten für März und April, ändert dieses Bild kaum. Nach den “Berechnungen” dieses Bloggers wurden in den ersten vier Monaten 2026 etwa 2,6 Mrd. m3 mittelöstliches Erdgas in die EU importiert, was ein bisschen mehr als fünf Prozent des in die EU eingeführten LNG und schätzometrisch 2,5% aller EU-Gasimporte I – IV  2026 ist.

Diese Mengen als solche sind kaum der Rede wert

(der “Derivativpreis” an der ICE und die mittelfristige Wiederbefüllung der erschöpften “europäischen Speicher” stehen auf einem anderen Blatt – siehe unten).

Der zweite Punkt ist, dass man bei den LNG-Einfuhren in die EU aus Middle East im April 2026 noch am ehesten etwas vom iranischen Raketenangriff auf Katar bemerkt, weil im April 2026 nur mehr 0,117 Mrd. m3 von dort eingführt wurden, während im April 2025 noch 1,1 Mrd. m3 importiert wurden.

Heuer also etwa 1 Mrd. Kubik weniger,

was man aber mit 12,3 Mrd. m3 LNG-Einfuhren und etwa doppelt so hohen Gesamteinfuhren in diesem Monat vergleichen muss. Selbst im Monat April fallen die mittelöstlichen Mindereinfuhren von einer Milliarde Kubik also nicht wirklich ins Gewicht

(siehe dazu zwei Screenshots von Bruegel-Daten über die LNG-Einfuhren bis Ende April 2026 sowie die einschlägigen EU-Gesamtimporte in den ersten 18 Wochen des laufenden Jahres.)

EU_Gesamtimporte_2026_bis_inkl_W18ME_5,1pc_aller LNGImporte_bis_Ende04

 

 

 

Drittens sind die Bedenken des von Reuters am 21. Mai zitierten Equinor-Managers nachvollziehbar und vielleicht auch valide,

wenn nämlich die “Derivativpreise” aufgrund Lage am Arabischen/Persischen Golf erhöht bleiben und die Konkurrenz aus Asien um “freie Gasmengen” größer ist.

Sommermonate für Gas-Speicherung eher unbedenklich

Der Punkt ist “nur”, dass das a) erst “mittelfristig” für die Befüllung der Speicher für die nächste Heizsaison relevant ist, b) dies aber nur insoweit, als der Füllstand zu Beginn einer Heizsaison überhaupt viel aussagt (Zweifel sind nicht nur angesichts des Beispielfalls UK angebracht, aber das ist eine andere Geschichte, die hier nicht diskutiert werden soll).

Faktum ist c) jedenfalls, dass der “Inlandsverbrauch” im Sommer um etwa zwei Drittel zurück geht, während gleichzeitig viel mehr eingespeichert wird als in den Wintermonaten (“der Speicher/Entspeichersaldo kehrt sich um”). Es wird – unter nicht-kriegerischen Bedingungen (und bei Aufrechterhaltung der US-Lieferungen) - in den nächsten Monaten daher nicht zu einer Gasmangellage kommen.

Als d) stellt sich die Feage, welcher Prozentsatz der Importmengen real nicht gebunden und kurzfristig disponibel ist. Dieser Blogger hat dieses “Herrschaftswissen” nicht.

Das Thema “Gasmangellage” ist etwa in Mitteleuropa seit Anfang März vom Tisch, als es mit scheinbarer Urgewalt zu milderem Wetter kam, ohne dass die Erdgasverstromung im Jahresvergleich auffällig in die Höhe geschnellt wäre (Raumheizung und Verstromung formen zusammen den “Peak” im Winter, der Bedarf für “Prozessenergie ist relativ gleichmäßig über das Jahr verteilt).

Aus dem Vorgenannten, viertens, den Eindruck zu erwecken, dass die EU-Gasversorgung stark von der “Lage um die Meeresenge von Hormuz” abhängig sei, oder gar, dass die EU-Gasversorgung unter gegebenen Bedingungen schon in den nächsten 1 – 3 Monaten gefährdet sei, ist daher “boulevardesk”, um das gelinde zu formulieren

- “journalistische Zuspitzungserfordernisse” hin oder her.

Fünftens deutet die manifeste “Beweislage” darauf hin, dass allfällige “Mangelsituationen” in der EU weitgehend hausgemacht sind,

wie sich an den anhaltenden “EU-Selbstmordsanktionen” gegen Russland – einen ungleich bedeutenderen Lieferanten als Katar -  beispielhaft zeigen lässt.

Auch der Umstand der “Minderbefüllung” der EU-Speicher ist weitgehend selbst gemacht, gedeckt durch einen Brüsseler Ukas. Diese “Minderbefüllung” - als Prozentsatz sowie als “Gas in Storage” (Arbeitsgas) ausgedrückt – war schon zu Beginn der vergangenen Heizsaison gegeben und ist mitnichten durch die Ereignisse im “Arabischen Golf” geschaffen worden.

Schon wieder “Gas-Verschwindibus”

Sollte ein Faktor diese Lücke vergrößert haben, war es das offenbar anhaltende Verschieben von Erdgas aus den den Grenzen der “AGSI-EU”, motiviert durch Politik oder Korruption (oder beides).

Eine Analyse der Import- und Speicherdaten für die Monate April und Mai 2026 offenbart nämlich, dass in diesem Zeitraum im Vergleich zu den Vorjahren um 6 – 7 Mrd. Kubikmeter mehr importiert wurde, dass der Speicheraufbau in der EU aber deutlich hinter dem Vorjahr (den Vorjahren?) – zurück geblieben ist.

Das ergibt sich aus den Datensätzen des “EU-Import-Trackers Erdgas” (Screenshot siehe oben) und der historischen Datenbank der/des “AGSI”.

Eine von diesem Blogger durchgeführte Nachschau (die hoffentlich keinen Fehler aufweist), zeigt für die EU für den Zeitraum vom 1.4,.2026 bis 26.5.2026 einen Zuwachs von 119,8 TWh Arbeitsgas oder 10,6 Prozentpunkten Füllstand. Im Vergleichszeitraum 2025 hatte der Aufbau aber noch knapp 140 TWh oder 12,3 pp betragen.

Es ist das nämliche Muster wie in diesem Blog bereits mehrfach bekrittelt, siehe z.B. hier:

Die Importe legen leicht zu oder bleiben in etwa konstant (wenn man z.B. die rückläufige Eigenproduktion in Rechnung stellt), der “Speichersaldo” wird aber tlw. drastisch schlechter. Die Differenz beläuft sich auf Milliarden Kubikmeter, die “einfach verschwunden sind”.

Als “Rechengröße” sei hier die die soeben thematisierte Differenz zwischen dem Zuwachs an “Gas in Storage” in den Monaten April und Mai 2025 und 2026 angeführt. sie macht etwa 20 TWh aus (139,98 TWh gegenüber nur 119,81 TWh). in Standard-Erdgas umgerechnet wären das rund 2 Mrd. Kubikmeter. Man müsste aber auch den EU-weiten Eigenverbrauch in Rechnung stellen der öffentlich nicht bekannt ist (diesem Blogger jedenfalls nicht).

Unabhängiger Journalist

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